Das aktuelle Interview

Bischof Druck und der erfolgreiche Umstieg in die Etikettenproduktion

Die Bischof Druck GmbH im niedersächsischen Edewecht begann 1975 als klassischer Akzidenzbetrieb, erweiterte 1981 in den Formulardruck und ist 2008 in den Etikettendruck eingestiegen. Mittlerweile hat sich dieser Bereich zu einem wichtigen Standbein im Unternehmen entwickelt. Anlass für ein Gespräch mit Geschäftsführer Stefan Bischof.

von Michael Scherhag

Die Druckindustrie befindet sich in einem stetigen Wandel. Einst erfolgreiche Geschäftsbereiche werden durch neue Technologien ersetzt, gleichzeitig entstehen neue Chancen durch neue Geschäftsfelder. Diese Erfahrung machte auch die Bischof Druck GmbH, die bereits zu Beginn der 2000er Jahre feststellen musste, dass der klassische Formularbereich, mit dem man die Wurzeln des Unternehmens legte, nach und nach an Bedeutung verlor. Unternehmensgründer Ewald Bischof und sein Sohn Stefan Bischof suchten daher nach neuen Märkten, ohne jedoch gleich in ein ganz neues Feld zu investieren.

So kam man auf die Idee, neue mit Mehrwerten versehene Formulare zu entwickeln und begann mit der Fertigung von Produkten mit integrierten Sesam-Etiketten, plastifizierten Karten und Codierungen. Auch Sandwich-Etiketten wurden auf vorgedruckte Formulare aufgespendet. Damals wurden die Sandwich-Etiketten noch zugekauft, aufgrund des Erfolges lag es jedoch nahe, in die eigene Etikettenproduktion einzusteigen. Bereits 2003 informierte man sich daher anlässlich eines Besuchs auf der Labelexpo über die Möglichkeiten und so reifte in den folgenden Jahren der Entschluss, selbst mit entsprechenden Maschinen in den Etikettendruck einzusteigen.

Firmengründer Ewald Bischof (r.) und sein Sohn Ste­fan Bischof entwickelten ihr Unternehmen in den letzten Jahren zu einer erfolgreichen Etikettendruckerei weiter

Einstieg in die eigene Etiketten-Produktion

Begonnen hat der eigene Etikettendruck bei Bischof 2008 mit der Investition in eine Sechsfarben-Flexodruckmaschine vom Typ Focus Proflex 330, die damals in Zusammenarbeit mit Grafische Systeme Volker Schischke installiert wurde. Damit begann der Einstieg in ein ganz neues Feld.

Der Erfolg gab ihnen Recht und heute produziert Bischof Druck mit 20 Mitarbeitern Haftetiketten auf Rolle und gefalzt – bis zu acht Farben, in Briefbogen integrierte Etiketten und integrierte Plastikkarten. Im Formulardruck ist man ebenfalls noch vertreten, dies jedoch verstärkt mit speziellen Mehrwertprodukten. So setzt sich das Produktionsspektrum heute zusammen aus Haftetiketten zur Produktauszeichnung und zum Eindruck aktueller Daten, Etiketten und Karten, die direkt in Briefbögen, Rechnungsblätter oder Flyer integriert werden sowie Hologramm-Prägungen.

Die Kunden sind vorwiegend im lokalen Bereich und hauptsächlich im Lebensmittelbereich zu finden. Darüber hinaus arbeitet Bischof Druck bundesweit mit diversen Wiederverkäufern, Druckereien und Händlern zusammen.

Produziert wird im Flexodruck sowie auf Rollen- und Bogenoffsetmaschinen, der Finishing-Bereich verfügt über Umroller mit 100%-Kontrolle sowie Finishing-Anlagen für integrierte Etiketten und Karten. Ziel ist die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Kunden, vorwiegend kleine und mittlere Unternehmen.

 

Blick in den Drucksaal bei Bischof Druck, in dem auf Flexo- und Offsetdruckmaschinen Etiketten, integrierte Karten und Sesametiketten sowie Formulare gefertigt werden

Steigende Ansprüche und ihre Konsequenzen

Im Laufe der letzten Jahre haben Sie stark in den Etikettendruck investiert. Über welche Maschinen verfügen Sie heute?

Stefan Bischof: Wir sind vor knapp zehn Jahren mit einer Sechs-Farben Focus-Proflex-Flexodruckmaschine und einem Leomat-Practice-Umroller in den Etikettenmarkt eingestiegen. Die Proflex war zunächst mit Heisslufttrocknung und einer UV-Trocknung ausgestattet. Innerhalb kurzer Zeit wurden die Vorteile des UV-Drucks offensichtlich und so wurde die Maschine komplett auf UV-Trocknung umgestellt. Die Maschine wurde dann zusätzlich noch um ein Wendekreuz, eine Delam-Relam-Einheit und einen Bunch-Falzer erweitert. Vor eineinhalb Jahren wurde der Druckbereich um eine Mark Andy P3 mit acht Farbwerken, Wendekreuz und Kaltfolieneinheit ergänzt. Heute fertigen wir auf der P3 hauptsächlich mehrfarbige Etiketten rein mit migrationsarmen Farben. Auf der Proflex laufen die spezielleren Aufträge mit neutralisierter Rückseite, speziellen Stanzungen oder Ausstanzungen und gefalzte Produkte.

 

Die jüngste Investition: eine Mark Andy P3 Achtfarbenmaschine

Mit der Idee, Formulare durch einen Mehrwert, beispielsweise Etiketten und Karten zu erweitern, haben Sie sich eine Nische geschaffen, in der Sie erfolgreich sind. Gibt es weitere Ideen?

Stefan Bischof: Der Bereich Web-Finishing hat sich bei uns in den letzten Jahren stetig entwickelt. Hier haben wir vor 15 Jahren mit einer Fertigungslinie begonnen und arbeiten inzwischen mit drei Linien, so dass wir heute das komplette Spektrum von kleinen bis  hin zu großen Auflagen abdecken können. Auch die Individualisierung von Vordrucken mit Nummerierungen, Codierungen und Personalisierungen entwickelt sich stetig. Neueste Investition ist hier ein Inline-Inkjet-System mit dem wir in der Offsetmaschine direkt individualisieren können.

Neue Technologien, veränderte Kun­denanforderungen, immer kürzere Termine. Welche Konsequenzen ergaben sich daraus für ihr Unternehmen?

Stefan Bischof: Ende 2015 installierten wir eine Mark Andy P3 Acht-Farbenmaschine um den höheren Qualitätsansprüchen der Kunden und der steigenden Anzahl an Farben gerecht zu werden. Durch diese Investition konnten wir unsere Produktivität erheblich steigern. Im Vergleich zur bisherigen Technik wurde die Fortdruckgeschwindigkeit der Maschine deutlich erhöht und die Rüstzeiten wesentlich reduziert. Die Fertigung von Motiven mit feinsten Rastern ist nun problemlos möglich. Zusätzlich ist jetzt auch noch die Kaltfolienprägung inline umsetzbar.

Analog, Hybrid, Digitaldruck – welche Technologien setzen Sie ein und warum?

Stefan Bischof: Im eigenen Haus setzen wir auf die rein analoge Fertigung, bei kleinen Auflagen und/oder vielen Sorten kommt jedoch der Digitaldruck in Zusammenarbeit mit Partnern zur Anwendung. Eine eigene Digitaldruckmaschine wäre derzeit wirtschaftlich jedoch noch nicht ausgelastet.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Technik in den nächsten Jahren? Wie stellen Sie sich darauf ein?

Stefan Bischof: Wir gehen davon aus, dass der Anteil an digital zu fertigenden Aufträge steigen wird. Daher beobachten wir den Markt für digitale Drucksysteme und werden zu gegebener Zeit über eine entsprechende Investition nachdenken.

Automatisierung und Optimierung des Workflows, Prozesskontrolle, Industrie 4.0. Hat das auch für Ihr Unternehmen Relevanz?

Stefan Bischof: Aber natürlich. Wir haben in ein neues ERP-System C3 von Theurer.com investiert. Hierdurch sollen die internen Prozesse transparenter und standardisierter werden. Zudem besteht ­dadurch die Möglichkeit zur optimaleren Planung und Automatisierung des Produktionsprozesses.

LED-UV im Etikettendruck: Hat diese Technologie für Sie Relevanz?

Stefan Bischof: Der LED-UV-Trocknung gehört die Zukunft, daher beobachten wir die Entwicklung intensiv. Momenten sind für uns die Investitionskosten jedoch noch zu hoch. Allerdings gehen wir davon aus, dass sich mit zunehmender Verbreitung auch hier einiges tun wird.

Online-Print, Webshops, Social Media – welche Bedeutung hat das für Ihr Unternehmen?

Stefan Bischof: Das Thema ist bei uns noch im Aufbau und wir sind uns darüber bewusst, dass sich auch hierdurch neue Marketing-Kanäle eröffnen können. Wir verfügen jedoch über einen eigenen Online-Shop für Standard-Produkte aus dem Bereich integrierte Etiketten und Plastikkarten.

Produzieren Sie auch für Kollegenbetriebe? Was bieten Sie den Kollegen an. Welche Vorteile können Sie bieten?

Stefan Bischof: Kollegenbetriebe stellen einen Großteil der Kunden – und das bundesweit. Wir verfügen bedingt durch unser Geschäftsmodell über langjährige Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Wiederverkäufern. Diesen bieten wir den Vorteil, dass Sie Ihren Kunden auch die Produkte anbieten und liefern können, die Sie selber nicht produzieren können. Hierbei liefern wir oft neutral direkt an den Endkunden mit Absender und Lieferschein unseres Kunden. Unser Unternehmen tritt hierbei beim Endanwender nicht in Erscheinung. 100%iger Kundenschutz ist für uns hierbei eine Selbstverständlichkeit.

Bilder-Quelle: G&K TechMedia