Energiemanagement und Automatisierung

VskE-Tagung: Vielfalt und gute Organisation (II)

In diesem zweiten Teil zum Nachbericht der VskE-Tagung befassen wir uns mit den Vorträgen zur praktischen Umsetzung des Energiemanagements bei der Schreiner Group, den Anforderungen an industrielle Wickelhülsen und Hartpapierkerne sowie den Automatisierungspotenzialen, die sich durch den Einsatz von Inspektions- und Bahnbeobachtungssystemen ergeben können.

Lesen Sie hier Teil 1 und hier Teil 3 der VskE-Tagung!

Wie sich in der Praxis Energieeinsparungen in Form eines Energiemanagements erzielen lassen, erläuterte Dr. Thomas Gulden von der Schreiner Group, Oberschleißheim. Er zeigte, wie die Schreiner Group ihr Energiemanagementsystem aufgebaut hat und damit erfolgreich Energieverbrauch und -kosten reduzieren konnte. Der Referent beschrieb wichtige Elemente zur Umsetzung und Beispiele aus der Praxis, wie die Entscheidung für das Energiemanagement, das Verankern des Energiespargedankens im Unternehmen sowie die Planung und Verfolgung der Ziele. Zudem zeigte er Umsetzungsbeispiele zur Energieeffizienz auf, beschrieb, wie sich Ergebnisse messen und darstellen lassen und wie sich das Know-how fremder Unternehmen und von Netzwerken nutzen lässt.

Energieeffizienz-Gedanken im Unternehmen verankern

Dr. Gulden erläuterte, warum das Thema Energie für sein Unternehmen wichtig ist. Hierzu gehört die Reduzierung der Energiekosten, die Einhaltung von Rechtsvorschriften, das Erreichen von Steuernachlässen bzw. Erhalten von Fördergeldern, Kundenforderungen, eine zuverlässige Energieversorgung und weitere Gründe wie beispielsweise die gesellschaftliche Verantwortung, das Image des Unternehmens oder die Mitarbeitermotivation.

Er hob hervor, dass die vorhandenen Normen beim Aufbau eines Energiemanagementsystems helfen können. Dazu nannte er beispielsweise die DIN EN ISO 14001 oder die DIN EN ISO 50001. Außerdem bemerkte Dr. Gulden, dass neben einer guten Organisation die Verankerung des Energieeffizienzgedankens im Unternehmen wichtig ist, die Nutzung von Netzwerken, aber auch eine korrekte Zielplanung und -verfolgung. Er erläuterte diverse Strategien und gab Umsetzungsbeispiele zur Energieeffizienz im Unternehmen. Nicht zuletzt sei auch das Messen und Darstellen der Ergebnisse äußerst wichtig.

Ein Umsetzungsbeispiel zur Energieeffizienz der Schreiner Group ist die energieeffiziente Produktion. Das Unternehmen setzt dazu auf Niedrigenergie-UV-Trockner und UV-LED-Trockner. Darüber hinaus legt das Unternehmen Wert auf energieeffiziente IE3-Motoren, drehzahlgeregelte und steuerungstechnisch abgestimmte Druckluftkompressoren, eine Druckluftreduzierung von 9 auf 8 Bar, das Beseitigen von Druckluftleckagen, eine effiziente Wärmerückgewinnung und eine Klimaanlage, die einen Umluftbetrieb zu produktionsfreien Zeiten ermöglicht.

Dr. Gulden machte deutlich, dass ein zertifiziertes Energiemanagementsystem durchaus sinnvoll und vorteilhaft ist. Dazu gelte es jedoch, eine Energieeffizienz-Organisation zu schaffen und auch durch die Unternehmensleitung ein klares Bekenntnis zur Energieeffizienz abzugeben. Es gehe darum, das Energieeffizienz-Bewusstsein aller Mitarbeiter zu fördern, ebenso wie die energieeffiziente Gestaltung aller Prozesse. Er wies noch einmal darauf hin, dass es sinnvoll ist, alle vorhandenen Netzwerke und Fachleute bzw. Gremien, Verbände usw. zu nutzen. Letztlich sei es jedoch von Bedeutung, sich immer wieder Ziele zu setzen und diese zu verfolgen.

Industrielle Wickelkerne

Mit Christoph Schmitt referierte der Leiter Forschung und Entwicklung der Paul & Co. GmbH & Co. KG, Wildflecken (D), zum Thema „Industrielle Wickelkerne – Herstellung und Eigenschaften von Hartpapierhülsen“. Beim Druck von Rollen, wie beispielsweise in der Etikettenbranche, müssen die Papier- und Folienmaterialien von und auf Hartpapierhülsen gewickelt werden. Diese Hülsen, beispielsweise für die Papier-, Folien-, Metall-oder Textilindustrie, müssen beim Bewickeln und Transportieren sowie bei Lagerung und beim Abwickeln vielfältigen Belastungen standhalten. In seinem Vortrag beschrieb der Referent die Herstellung von Hülsen und zeigte die Anforderungen an die Eigenschaften auf.

Schmitt legte dar, dass es im Prinzip drei verschiedene Typen von Hartpapiermützen gibt. Dazu gehören parallel gewickelte Hülsen – von Rolle zu Rolle; parallel gewickelte Hülsen – vom Bogen; sowie spiralgewickelte Hülsen. Er zeigte auf, dass gerade bei Papierhülsen die Feuchtigkeit eine große Bedeutung spielt. Neben einer gewissen Größenveränderung der Hülse ist die Feuchtigkeitsveränderung durch Umwelteinflüsse nicht zu unterschätzen. Sowohl beim Transport als auch im Lager und durch das Wickelgut selbst können sich Veränderungen ergeben. So kann beispielsweise durch den Einbau von Feuchtigkeitssperren in unmittelbarer Nähe zum Wickelgut der Feuchtigkeitstransfer über die Mützenoberfläche verhindert werden.

Spezifische Belastungen beachten

Eine wichtige Einflussgröße ist auch die Beanspruchung von Wickelkernen im Einsatz. Hierbei wirken verschiedene Kräfte wie beispielsweise radiale Kräfte innen oder außen, die Tragfähigkeit der Hülse selbst, deren Drehmomentbelastungen oder eine kritische Drehzahl, die ebenfalls zu einer Veränderung der Hülsenoberfläche führt. Der Referent gab daher zum Abschluss einige Tipps, wie der optimale Wickelkern zu finden ist. Im Idealfall liefert der Hersteller standardisierte Hülsenqualitäten und Hülsendimensionen, in der Praxis sind Wickelkerne jedoch meistens für den Einsatzfall maßgeschneiderte Produkte.

Laut Schmidt gibt es zunächst eine Reihe von Fragen zu beantworten, bevor ein Hersteller einen optimalen Wickelkern anbieten kann. Dazu gehört die Angabe, was aufgewickelt werden soll, das Flächengewicht, die Materialdicke, die Laufmeter, die Temperatur und vieles andere. Hinzu kommen Angaben über die Rollendaten, beispielsweise die Rollenbreite, der Rollendurchmesser und das Rollengewicht. Ebenso wichtig sind Maschinendaten wie die Maschinengeschwindigkeit, die Bahnzüge und Angaben zu den Bedingungen in der Maschine wie der Pinolen-Durchmesser, der Durchmesser der Wickelachse und vieles mehr. Eine genaue Abstimmung mit dem Hülsen-Lieferanten sei daher sehr wichtig.

Automatisierungspotenziale

Die Automatisierung von Produktionsprozessen mit der Vernetzung der Produktionsdaten über alle Wertschöpfungsstufen im Unternehmen bildet eine Grundlage zur industriellen Etikettenproduktion. Die Automatisierung amortisiert sich in kurzer Zeit, wenn sichergestellt wird, dass gleichbleibende Qualität in definierten Grenzen in der richtigen Menge und zur richtigen Zeit im Rahmen geplanter Kosten produziert wird. Diesem Thema widmeten sich zwei Referenten: Dirk Lange von AVT, Hamburg, und Dirk Schröder von Erhardt+Leimer, Augsburg. Lange und Schröder stellten Lösungen vor, die über die klassische 100-Prozent-Qualitätsinspektion hinausgehen. Im Vortrag wurden zudem Inspektions- und Automatisierungslösungen sowie aktuelle Innovationen von AVT präsentiert, die seit der Übernahme des betreffenden Geschäftsbereichs von Erhardt+Leimer auch für Anwender von Nyscan-Systemen zur Verfügung stehen.

Die Referenten erläuterten die verschiedenen von Erhardt+Leimer, AVT und Nyquist erhältlichen Systeme, deren Hard-und Software sowie deren jeweilige Einsatzzwecke. Sie wiesen darauf hin, dass die Ertragskraft nur geschneidert werden kann, wenn im Produktionsprozess Transparenz und Automatisierung gegeben sind. Es gelte, immer die richtigen Druckdaten, eine Auftragsverifizierung vor dem Druckbeginn, eine zuverlässige und standardisierte 100 %-Prozesskontrolle, eine automatisierte Farbzoneneinstellung sowie eine 100 %-Endkontrolle zu haben. Zudem sei es von Bedeutung, kontinuierlich Verbesserungspotenziale zu erkennen und die vorhandenen Inspektionsdaten dazu strukturiert zu nutzen.

Natürlich sollte auch ein Blick in die Zukunft nicht fehlen. Die Vorstellung des AVT icenters, eine Kommunikations-Cloudlösung, gewährte einen Ausblick auf die mobile Verwendung aller Prozessdaten und Parameter. Mit dieser Lösung können umfangreiche Informationen zu Qualitätsstandards, Automatisierung und Farbmanagement erhalten werden. Ein entsprechendes Reporting zur Auswertung der Daten liefert dann einen umfangreichen Echtzeit-Statusreport. (Teil III des Nachberichtes folgt am Montag)