Technik ist nur ein Mittel zum Zweck

Die Stäudle GmbH im baden-württembergischen Öhringen blickt auf 124 Jahre Erfahrung in der Druckbranche zurück. Angefangen als lokale Zeitungsdruckerei über Akzidenzen, Endlosgeschäftsdrucke, Lottoscheine bis hin zum Etikettendruck hat jede der fünf Generationen zum erfolgreichen Bestehen des Familienunternehmens beigetragen. Etiketten-Labels sprach mit Geschäftsführerin Carolin Stäudle über ihre Unternehmens-Strategie und Ziele für die Zukunft.

von Michael Scherhag

Seit den 90ern ist die Stäudle GmbH im Selbstklebeetikettendruck tätig und schaut gespannt auf die Entwicklungen der kommenden Jahre. Zusammen mit dem Team von 35 Mitarbeitern bietet Stäudle, getreu dem Firmenslogan „Print, Labeling, Solutions“, Lösungen über das Etikett hinaus. Der Fokus liegt dabei nicht auf „größer, schneller, weiter, billiger“, sondern das Unternehmen setzt auf individuelle Ansätze zur Prozess-Optimierung bei den Kunden, unterstützt durch Etiketten.

 

Neue Technologien, veränderte Kundenanforderungen, immer kürzere Termine. Welche Konsequenzen ergaben sich daraus für Ihr ­Unternehmen?

Carolin Stäudle: Wir sind in einer Branche unterwegs, die es eigentlich gewohnt sein sollte, mit sich ändernden Anforderungen umzugehen. Im Laufe der Firmengeschichte haben wir uns immer wieder neu erfunden und dies bis heute beibehalten. Die Regel ist einfach „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“. Neue Anforderungen rechtzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren, ist unser Credo. Wer wie wir im Projektgeschäft unterwegs ist, baut nicht auf eine vollausgelastete 3-Schicht-Produktion, sondern muss hochgradig flexibel auf die Ansprüche der Kunden eingehen. Für uns bedeutet dies, interne wie auch externe Prozesse bestmöglich zu automatisieren. Kooperationen mit Spezialisten einzugehen, auch über die Druckbranche hinaus, ist ebenso ein integraler Bestandteil der Lösungen zur Verbesserung für unsere Kunden.

 

Kleinere Auflagen, mehr Varianten, wenig Zeit. Welche Anforderungen stellen die Kunden und wo sehen Sie die größten Trends auf der Kundenseite?

Carolin Stäudle: Diese Aspekte sehe ich nicht als Entwicklung, sondern als ein Muss aus der Vergangenheit. Wer hierauf nicht in ­irgendeiner Art und Weise bereits reagiert hat oder dabei ist, sich zu ändern, wird es in Zukunft schwer haben.

Die Trends auf Kundenseite sind je nach Zielgruppe unterschiedlich. Bin ich ein Onlineprinter, werden meine Kunden immer preissensibler werden, mit immer kürzeren Lieferzeiten, da die Vergleichbarkeit nur ein paar Klicks entfernt ist und man erwartet, dass alles, was Amazon und Co. bieten, auch alle anderen bieten können und müssen. Kunden hingegen, bei denen das Etikett komplexeren Prozessen und Anforderungen standhalten muss, werden den Fokus auf andere Aspekte legen.

 

Analog, Hybrid, Digitaldruck – welche Technologien setzen Sie ein und warum?

Carolin Stäudle: Historisch bedingt haben wir analoge Maschinen, die absolut noch ihre Daseinsberechtigung haben und auch bei unserer Kundenstruktur momentan nicht wegzudenken sind. Wir haben vor Jahren auch in den Digitaldruck investiert, um die Flexibilität für unsere Kunden zu steigern. Das Thema Hybrid ist allgegenwärtig, aber irgendwie versteht jeder etwas anderes darunter. Hybrid bedeutet für mich: eine digitale Druckeinheit im Zentrum sowie analoge Werke kombiniert in einer Maschine. Ein sehr interessantes Thema, mit dem wir uns auch auseinandersetzen. Man muss allerdings bedenken, dass das Kernstück einer solchen Maschine die digitale Einheit ist und diese, bei der momentanen Entwicklung, in drei Jahren überholt sein wird. Dann muss ich einiges an Umsatz generieren, um die Investition in dieser Zeit wieder hereinzuholen.

 

Wie sehen Sie die Entwicklung der Technik in den nächsten Jahren? Wie stellen Sie sich darauf ein?

Carolin Stäudle: Die Technik entwickelt sich immer weiter in Richtung Digital. Gerade durch die konstante Verbesserung der Qualität und Leistung des Digitaldrucks sowie der Laserstanzung wird dies in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen und die analogen Maschinen früher oder später ablösen. Auch wenn hier viele anderer Meinung sind, es ist die einzige ­logische Konsequenz. Allerdings wird es ein bisschen länger benötigen als nur ein paar Jahre und bestimmt wird es Zielmärkte geben, in denen der analoge Druck noch länger Vorteile bringt.

 

Verpackungsdruck auf Etikettenmaschinen – ein Trend, der gerade für Aufsehen sorgt. Stellt dies auch für Sie eine Chance dar? Nutzen Sie die Möglichkeiten bereits?

Carolin Stäudle: Momentan ist dies kein großes Thema für uns. Es gibt einige Ansätze, aber nichts Spruchreifes. Falls ein Projekt dies mit sich bringt, gerne.

 

Automatisierung und Optimierung des Workflows, Prozesskontrolle, Industrie 4.0 – Stichworte für eine ganz aktuelle Entwicklung. Hat das auch für Ihr Unternehmen Relevanz? Wenn ja, wie stellen Sie sich darauf ein?

Carolin Stäudle: Die von Ihnen geannten Stichworte sind unserer Ansicht nach der Schlüssel zur Bewältigung der künftigen Anforderungen. Interne, aber auch externe Prozesse zu Kunden und Lieferanten werden permanent unter den Gesichtspunkten Automatisierung, Workflow-Optimierung, Prozesskontrolle und digitale Vernetzung auf dem Prüfstand stehen. Schon alleine der Fachkräftemangel wird uns dazu zwingen. Davon abgesehen werden die Märkte es von unserer Branche fordern.

 

UV-LED im Etikettendruck: Welche Bedeutung messen Sie dieser Entwicklung für die Etiketten-Branche zu und wo sehen Sie Probleme, wo Chancen? 

Carolin Stäudle: Mit zunehmender Bedeutung des Digitaldrucks werden diese Technologien auch in die Etikettenproduktion Eingang finden.

 

Online-Print, Webshops, Social Media – welche Bedeutung haben diese Entwicklungen für Sie?

Carolin Stäudle: Aus dem Grund, dass der Einkäufer der Zukunft noch sehr viel mehr Internet-affiner sein wird, ist alles, was mit Online zu tun hat, unabdingbar. Wir möchten keine Onlinedruckerei werden – dieser Zug ist vor einigen Jahren abgefahren. In den nächsten fünf bis zehn Jahren wird der Markt für Online-Druckereien sich auf fünf bis zehn Player einpendeln, der Rest braucht andere Konzepte und Strategien. Aber es gibt ja noch diverse andere Onlinestrategien, die man sich zu eigen machen kann.

 

Was wäre Ihr größter Wunsch an die Maschinen- und Systemhersteller? Was würde Ihnen das Leben erleichtern?

Carolin Stäudle: Softwarehersteller sollten viel Service-orientierter sein. Zuverlässig umgesetzte Software-Projekte haben Seltenheitswert, da Service und Kundenorientierung bei den meisten leider kleingeschrieben werden. Maschinenhersteller sollten modularer werden, gerade im Hinblick auf hybride Maschinen. Ein System, bei dem ich je nach Auftragsanforderung heute ein Offsetwerk und morgen eine Laserstanze einbauen kann.

Mein Wunsch an die Materialhersteller wäre, endlich mal die Toleranzen in den Griff zu bekommen. Ich weiß, dass dies technisch nicht immer einfach machbar ist, aber unsere Projekt-Kunden verlangen dies. Es macht wenig Spaß, als Drucker zwischen Kundenanforderungen und Materialhersteller zerrieben zu werden.

 

Ein Blick in die Zukunft: Wo sehen Sie die wichtigsten Entwicklungen und wie stellen Sie sich darauf ein?

Carolin Stäudle: Wer mich kennt, weiß, dass Technik für mich Mittel zum Zweck ist und ich der Meinung bin, auch mit der modernsten Technik noch lange keinen langfristigen Kunden gewinnen zu können. Technik darf nicht veraltet sein, aber mir eine tolle Maschine hinzustellen, die ich dann irgendwie füllen muss, im Notfall über den Preis, kommt für mich nicht in Frage. Die Frage ist: Was war zuerst da? Die Technik oder der Markt? In Zukunft geht es darum, adäquate Geschäftsmodelle und innovative Vertriebskonzepte zu entwickeln, um bestehen zu können. Dafür ist die Technik dann der zweite Schritt. Es ist wichtig zu wissen, wo man sich im Markt positionieren möchte – Onlinedruck, Massenmarkt, Branchenspezialist oder Nische? Und welche dieser Märkte schon solide besetzt und somit unerreichbar sind.