Track & Trace im digitalen Etikettendruck

Produkt- und Markenschutz im digitalen Etikettendruck: Schutzmechanismen auf den Etiketten bestätigen die Echtheit und ermöglichen es, den Weg des Produkts lückenlos nachzuverfolgen. Wie der Digitaldruck dazu beitragen kann, zeigt Xeikon anhand der Track&Trace-Lösungen, die das Unternehmen mit ATT und Agfa realisiert hat.

von Jeroen Van Bauwel

Etiketten und Verpackungen stellen heute die wichtigste Kommunikationsplattform eines Produktes dar: Sie informieren nicht nur über das Produkt und transportieren durch ihre attraktive äußere Gestaltung die Markenbotschaft, sondern sie fungieren auch als Träger von Sicherheitsmerkmalen für den Fälschungsschutz. Es gibt heute schon eine Vielzahl an technischen Lösungen für den Markenschutz, doch noch längst nicht alle Druckunternehmen und Etikettenverarbeiter machen derzeit Gebrauch davon. Vielen ist gar nicht bewusst, welche Techniken und welchen Fälschungsschutz sie im Digitaldruck bereits realisieren könnten.

Das Schöne – und finanziell Attraktive – am Fälschungsschutz im Digitaldruck ist, dass viele Techniken als Teil des bestehenden Druckprozesses ausgeführt werden können. Investitionen in Zusatzausrüstung sind in der Regel nicht nötig. Es gibt eine Vielzahl von Sicherheitsmerkmalen, die – unabhängig ob sichtbar oder unsichtbar – etwa mit den Digitaldruckanlagen von Xeikon realisiert werden können. Dazu zählen vor allem variable Barcodes, mit denen sowohl die Echtheit des Produkts verifiziert als auch der Weg des Produkts nachverfolgt werden kann. Und das mittlerweile von mobilen Standardgeräten. Barcodes sind in der modernen Produktverifikation unverzichtbar: 2D-Barcodes wie QR-Codes und Datamatrix mit ihrer Vielzahl an Informationen und Daten können mit Hilfe des Xeikon-Digitaldrucks exakt und randscharf wiedergegeben werden.

 

Ohne zusätzlichen Aufwand

Ein weiterer Erschwerungsfaktor für Fälscher ist das Abwechseln mehrerer Farben in der Nummerierung. Dies ist ein Pluspunkt des Digitaldrucks ohne zusätzlichen Arbeitsaufwand im Druckprozess, da dieser Farbwechsel für jedes Etikett variabel gestaltet werden kann. Zu den weiteren Vorteilen des Digitaldrucks beim Druck von Sicherheitsmerkmalen zählt – etwa bei Xeikon – die hohe Druckauflösung von 1200 dpi mit variabler Druckpunktdichte, die passgenaue Registerhaltung, die Option für spezielle Sicherheitstoner, der Einsatz von Sicherheitspapieren, die nicht extra vorbehandelt werden müssen, und die zuverlässige Datenkonversion in der Druckvorbereitung.

 

Digitaler Code belegt Echtheit

Um festzustellen, dass sich das richtige Produkt am richtigen Ort zur richtigen Zeit befindet, lassen viele Hersteller schon jetzt variable Produktcodes auf das Etikett drucken. Gerade im Segment der Luxusprodukte – wie etwa edle Weine oder teure Parfums – sind die Etikettendruckereien mit dem Wunsch der Markenartikelunternehmen nach Lösungen konfrontiert, die für eine echte Nachverfolgbarkeit in der Lieferkette sorgen.

Xeikons Aura-Partner ATT Advanced Track&Trace hat mit Seal Vector eine Bebilderungstechnik mit Kopierschutz entwickelt, die auf sehr kleinen Oberflächen eine Vielzahl an verschlüsselten Informationen einbetten kann. Dank ihrer Matrix, die auf Punktgrößen von 20 Mikron basiert, stellt dies eine gewisse Herausforderung an die Druckmaschine, um alle Elemente des Codes exakt wiederzugeben. Der Sicherheitscode sieht in etwa aus wie ein schlecht gedruckter QR-Code, doch hinter dem diffus wirkenden Druckbild stecken hochkomplizierte alphanumerische Ziffern- und Zeichenfolgen. Der Seal Vector Code wird anhand der Produktionsdaten generiert und bei der Abfrage auf dem Display angezeigt. Dieser Code sagt alles über das Produkt aus und ermöglicht es zu erkennen, ob es sich um ein echtes Produkt, eine Fälschung oder ein sogenanntes Graumarktprodukt handelt, dessen Herkunft nicht von vorneherein klar ist. Da es nicht möglich ist, den Code bis ins kleinste Detail zu kopieren (die Matrix würde sich verschlechtern), kann man über Smartphone, jeden PC oder Flachbettscanner unmissverständlich erkennen, dass Produktfälscher am Werk waren. ]

Die ATT Lösung wurde primär für internationale Konzerne aus der Pharma- und Kosmetikindustrie entwickelt. Dann jedoch erkannten auch die ersten Erzeuger von Grands Crus Classés aus der Region Bordeaux das Potenzial der Produktnachverfolgung jeder einzelnen Flasche. Über ein verschlüsseltes Codierungssystem werden Fälschungen verhindert und Probleme im Vertriebsnetz behoben. So können etwa Hersteller von hochwertigen Weinen und deren Kunden den Weg einer Bordeaux-Flasche vom Weingut bis zum Verkauf an den Endkunden zurückverfolgen. Der Verbraucher kann beispielsweise mit einem Smartphone ein Foto vom Code des Etiketts der Flasche machen und gelangt so direkt auf die Website des Châteaus. Der Hersteller wiederum kann erfahren, wer seinen Wein wann und wo getrunken hat, was das Bestandsmanagement vereinfacht. So lässt sich beispielsweise nachvollziehen, wie eine nach Japan gelieferte Flasche letztendlich ins amerikanische Miami gelangt ist.

 

Fälscher abschrecken mit Sicherheitssoftware

Agfa Graphics ist ein weiterer Partner, mit dem Xeikon im Sicherheitsdruck zusammenarbeitet. Die Software Arziro Design von Agfa ist darauf ausgelegt, schwierig zu kopierende Sicherheitsmerkmale zu erstellen. Damit lassen sich etwa Gutscheine, Tickets, Dokumente oder Etiketten vor Fälschungen schützen. Arziro ist ein Plug-in für Adobe Illustrator. Die Software basiert auf Fortuna, einer Designsoftware von Agfa für den Hochsicherheits-Druckmarkt. Arziro kann in Sekunden sehr komplexe Sicherheitsmuster für Anwendungen im allgemeinen Sicherheitsdruck erstellen. Dank der nahtlosen Integration mit Adobe Illustrator erhalten Designer in ihrer vertrauten Umgebung Zugang zu einer breiten Auswahl von Design-Modulen und Werkzeugen. Das Modul Arziro Anti-Copy erzeugt kundenspezifische kopiergeschützte Muster, die Fälschungen entlarven können. Arziro Authenticate generiert sichere QR+-Codes, die direkt auf fälschungssensible Druckerzeugnisse gedruckt werden können. Arziro Production komplettiert schließlich als Workflow-Lösung für die Druckvorstufe das Sicherheitsangebot. Erst vor kurzem hatte Agfa auf der drupa 2016 die neueste Version 2.0 von Arziro Design vorgestellt.

 

Belgisches Finanzamt als Vorreiter

Wie die Arziro-Software in Kombination mit dem Xeikon-Digitaldruck eingesetzt wird, zeigt das Beispiel des belgischen Finanzamtes. In ihrem Auftrag realisiert die belgische Staatsdruckerei Fedopress den Sicherheitsdruck von Steuerbanderolen für Tabakprodukte seit neuestem im Digitaldruck. Dazu hat der Druckdienstleister in eine Fünffarb-Digitaldruckanlage Xeikon 3500 und in die Frontendlösung X-800 von Xeikon investiert. Die Produktion von Steuermarken war bislang ausgelagert und die Marken wurden bisher auf einer Buchdruckmaschine produziert, in sechs Farben und auf vier verschiedenen Papierformaten. Jede kleine Änderung aufgrund von Änderungen beim Zoll oder den Tabakwarenproduzenten resultierte in neuen Platten. Außerdem wurden häufig mehr Banderolen gedruckt als erforderlich und mussten daraufhin separat vernichtet werden. Nach einer Ausschreibung hat sich Fedopress für die digitale Produktion auf einer Fünffarben-Xeikon 3500 (max. Bahnbreite 516 mm) entschieden – für die derzeit größte Sicherheit und höchste Qualität im Digitaldruck.

Die Steuermarken werden seither in exakt den Auflagen gedruckt, die erforderlich sind. Mit Hilfe von Arziro wurden diese Marken (z.B. für Zigaretten) neu gestaltet und mit Sicherheitsmerkmalen versehen. Mit der Xeikon 3500 ist es nun möglich, Mikrotext, Guillochen und haarfeine Linien zu produzieren. Eingesetzt werden ein Schwarztoner und spezielle Sicherheitsfarbe für die variablen Daten sowie – als weitere Sicherheitsmaßnahme – eine verdeckte Abbildung mit einem nur unter UV-Licht sichtbaren Toner. Der Einsatz dieser Spezialtoner wird innerhalb der gesamten Lieferkette streng von Xeikon kontrolliert. Damit ist gesichert, dass die Toner nur für die Aufträge eingesetzt werden, für die sie erstellt wurden. So ist es für potenzielle Fälscher unmöglich, Zugang zum gleichen Toner zu bekommen. Jede Steuermarke ist dadurch ein „Einzelstück“ und vollständig nachverfolgbar.