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Linerless in der Praxis – auch eine Frage der richtigen Materialien

Wolfgang Aufmuth, artimelt
Wolfgang Aufmuth, Produktmanager artimelt: «Hochwertige Materialien sind auf den ersten Blick teuer und hochwertige Komponenten bieten oftmals bessere Verarbeitungsleistung und Produktperformance.» (Quelle: artimelt]

Über das Thema Linerless-Etiketten wird in den letzten Monaten verstärkt diskutiert. Einfachere Produktion, Einsparung von Materialien, verbesserte Umweltbilanz, Kostensenkung und weitere Aspekte zählen zu den Vorteilen. Etiketten-Labels sprach mit Wolfgang Aufmuth, Produktmanager bei artimelt, über die Frage, weshalb hochwertige Einzelkomponenten verwendet werden sollten und die Verwendung preiswerter Komponenten am Ende die teurere Variante sein kann.

Linerless-Etiketten sind in der Regel einfach aufgebaut: Papier, Folie oder Thermopapier, versehen mit Silikon und einer Schicht Klebstoff. Teilweise sind Linerless-Etiketten auch bedruckt, so dass auch noch Druckfarben benötigt werden. Der Druck muss dabei vor dem Beschichten mit Silikon erfolgen, so dass dieser zwischen Papier und Silikon liegt. Wie bei vielen Dingen im Leben so gilt auch bei der Herstellung von Linerless-Rollen, dass qualitativ hochwertige Materialien verwendet werden sollen.

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Qualitativ hochwertig, das klingt zunächst selbstverständlich. Doch wo beginnt das?

Wolfgang Aufmuth: Dies fängt beim Papier an. Das Papier soll eine möglichst geschlossene Oberfläche aufweisen. Bei der Verwendung von Thermopapieren werden Topcoated-Versionen oder die speziell für Linerless-Anwendungen entwickelten Papiere empfohlen. Diese haben eine sehr geschlossene Oberfläche. Dadurch bleibt das Silikon an der Oberfläche und kann gut vernetzt werden. Bei zu offenporigen Papieren dringt das flüssige Silikon ins Papier ein und es besteht die Gefahr, dass es nicht ausreichend vernetzt wird. Dadurch kann es zum einen zum Silikonübertrag auf den Klebstoff kommen und die Haftung des Klebstoffs geht verloren.

Linerless-Etiketten in der Praxis
Linerless-Etiketten lassen sich vielseitig einsetzen (Quelle: Stockfoto) (Bild: johnnyscriv)

Zum anderen besteht die Gefahr, dass es relativ schnell zu Ablagerungen am Thermokopf des Druckers kommt und dieser angehalten und gereinigt werden muss. Um einen entsprechend niedrigen Release zu erhalten, muss eine bestimmte Menge an Silikon auf der Papieroberfläche liegen. Dringt ein Teil des Silikons ins Papier ein, muss die Silikonmenge erhöht werden, um den gewünscht niedrigen Release zu erhalten. Da Silikon teuer ist, kann unter Umständen die Einsparung, die ich bei Verwendung eines preiswerten Papiers erziele, bereits durch die höhere aufzubringende Silikonmenge aufgezehrt werden.

Kommen wir nun zur weiteren wichtigen Komponente: dem Klebstoff. Was gilt es hier zu beachten?

Wolfgang Aufmuth: Hier sind auf den ersten Blick grosse Einsparungen möglich. Zum Teil werden Klebstoffe zu Preisen im Bereich von 3.50 €/kg für Linerless-Anwendungen angeboten. Im ersten Moment ein verlockendes Angebot mit hohem Einsparpotential beim Klebstoffeinkauf. Bei einem grösseren Klebstoffbedarf lassen sich so übers Jahr schnell mehrere tausend Euro gegenüber höherpreisigen Klebstoffen sparen.  

«Bei einem grösseren Klebstoffbedarf lassen sich so übers Jahr schnell mehrere tausend Euro gegenüber höherpreisigen Klebstoffen sparen.»

Aber hat diese Einsparung auch bis zum Ende der Prozesskette Bestand?

Wolfgang Aufmuth: Dazu müssen wir uns die nachfolgenden Schritte ansehen: die hergestellten Rollen gehen zu den Verbrauchern beispielsweise in die Supermärkte oder Logistikcenter. In den dort vorhandenen Druckern dürfen sie die Walzen, das Schneidmesser und den Druckkopf nicht verunreinigen. Nur so sind eine lange Laufzeit und geringe Wartungsfrequenz der Drucker gegeben.

Und wie sieht die Realität aus? Sicher lässt sich das mit Zahlen belegen?

Wolfgang Aufmuth: Ja natürlich. Machen wir mal folgende Rechnung auf: Wir gehen beispielhaft von einer Kostendifferenz des Klebstoffes von 1 €/kg aus. Bei einem Auftragsgewicht von 15 g/m² und einer Etikettengrösse von 60 x 100 mm (0.006 m²) beträgt die Kostendifferenz 0.01 Cent/Etikett – nicht gerade viel. Bei 100.000 Etiketten betragen die Mehrkosten eines hochwertigen Klebstoffes schon 10 € und bei 1 Mio. Etiketten 100 €. Hat man nun mehrere Drucker im Einsatz und druckt viele Etiketten, so kann sich das Einsparpotential bei Verwendung eines preiswerten Klebstoffes auf mehrere 1000 € im Jahr belaufen. Nun müssen wir uns aber auch die Performance auf dem Drucker ansehen: bei Verwendung von artimelt-Klebstoff lassen sich mehr als 1.000.000 Etiketten drucken und schneiden, ohne dass es zu längeren Ausfallzeiten des Druckers durch verunreinigte Walzen, Messer oder Druckköpfen kommt. Dies wurde durch ausführliche Tests eines unabhängigen Druckerherstellers bestätigt.

Linerless Etikett an der Theke
Typische Anwendung von Linerless-Etiketten an der Theke im Supermarkt (Quelle: artimelt)

Wenn wir davon ausgehen, dass mit einem preiswerteren Klebstoff lediglich 100.000 Etiketten gedruckt und geschnitten werden können, sieht die Rechnung wie folgt aus:

  • Einsparung durch den preiswerten Klebstoff: 10 €
  • Austausch der verklebten Walzen im Drucker: 10 €
  • Anlagenstillstand (1 Std.): 200 €

Somit hat man mit einem preiswerten Klebstoff schon mal eine negative Bilanz.

«Muss dann noch ein Servicetechniker des Waagenherstellers eine außerplanmässige Wartung durchführen, wird es richtig teuer.»

Muss dann noch ein Servicetechniker des Waagenherstellers eine außerplanmässige Wartung durchführen, wird es richtig teuer. Bei einem geschätzten Stundensatz von 100 € und einem halben Arbeitstag, kommen so schon mal 400 € an Kosten für den Techniker zusammen. Dazu nochmals 800 € für 4 Stunden Stillstand. Das heisst, bei 100.000 Etiketten fallen in diesem Beispiel bei Verwendung des preiswerteren Klebstoffes in der ganzen Wertschöpfungskette Mehrkosten von 1200 € an, die der Endverbraucher tragen muss. Rechnet man dies auf die 1 Million. Etiketten hoch, so kann der Endverbraucher trotz des teureren Klebstoffes 12.000 € sparen. Dieses Einsparpotential ist nun weitaus größer, als die Mehrkosten für den hochwertigeren Klebstoff. Das Einsparpotential an Nerven ist dabei noch gar nicht berücksichtigt, weil unbezahlbar.

Eine interessante Rechnung, die sicher je nach Anbieter variieren kann. Aber dennoch gibt es sicher grundsätzliche Aspekte, die beachtet werden sollten?

Wolfgang Aufmuth: Ja, natürlich. Hochwertige Materialien sind auf den ersten Blick teuer, bieten  aber bessere Verarbeitungsleistung und Produktperformance. Es dürfen nicht nur die Materialkosten betrachtet werden!. Für eine solide und korrekte Kostenrechnung müssen zwingend die Gesamtkosten in der ganzen Wertschöpfungskette betrachtet werden. Unter Berücksichtigung der Materialkosten und Verarbeitungsleistung ergibt sich immer ein hohes Einsparpotential durch die Verwendung hochwertiger, Komponenten. Ich denke, im Einzelfall muss das mit einem Anwendungsberater durchgesprochen werden. artimelt verfügt dazu über hervorragende Fachleute. [9485]

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