25 Jahre Etiketten-Labels

Frank Neumann – Wir müssen uns immer schneller neu erfinden

1999 kam ich das erste Mal mit der Haftetikettenindustrie in Kontakt und begann meine erste Aufgabe als angestellter Geschäftsführer. Da ich aus einem Verlags- und Druckhaus in die Etikettenindustrie kam, musste ich zuerst einmal über die Druckmaschinen im „Modelleisenbahnformat“ schmunzeln, war ich doch große Bogen-/Rollenoffsetdruckmaschinen gewohnt. Ein Kommentar von Frank Neumann, Geschäftsführer, Achertäler Druckerei GmbH & Co. KG.

Frank Neumann, Achertäler Druckerei
Frank Neumann, Geschäftsführer Achertäler Druckerei (Quelle: Achertäler Druckerei)

Das Lächeln wich dem Erstaunen, was man schon damals mit den Druckmaschinen alles machen konnte. Unterschiedliche Drucktechniken und aufwendige Veredelungen für kleine bis große Auflagen. Produkte wie Lochrandetiketten, Bogenware aber auch Rollenhaftetiketten zeugten von der Vielfalt der Einsatzgebiete.

An meinem zweiten Arbeitstag kam ein „alteingesessener“ Haftmaterialvertreter zum Vorstellungsgespräch und begrüßte mich mit den Worten: „Herzlich Willkommen in der Welt der Haftetiketten. Sie werden schnell feststellen, dass Sie an dieser Branche „haften“ bleiben! Er hatte Recht. Heute sind meine Frau und ich mit einer eigenen Druckerei Teil der Industrie geworden.

Modernisierung des Maschinenparks

Die nächsten Jahre waren geprägt von der Modernisierung des Maschinenparks. Translativer Druck wurde durch rotative Druckverfahren ersetzt, konventionelle Trocknung durch UV-trocknende Farben. Servo-Maschinen, der Einzug der Digitaldruckmaschinen sowie die Digitalisierung des Druckvorstufenprozesses inkl. Druckplattenherstellung, die Entwicklung der Folienkaltprägung folgten.

Und was haben wir alles im Markt erlebt: Neue Etikettendruckereien durch den Markteintritt der Formulardrucker, hochwertigere, aufwändigere Produktgestaltungen, die Sortenvielfalt von Produkten explodiert und es gibt keine adäquate Bezahlung des Vorstufenprozesses durch die Kunden mehr.

Herausforderungen der nahen Zukunft

Wir sehen die wichtigsten Herausforderungen der nahen Zukunft in folgenden Themen:

  • Digitalisierung wird in allen Bereichen weiter gehen
  • Marktmacht Digitaldruck
  • Digitalisierung des gesamtes Workflows
  • Kurzfristige Bedarfsproduktion für Kunden
  • Volumenwachstum wird in Europa langsamer werden/stagnieren
  • Versorgung mit Rohmaterial (Haftmaterial) wird problematischer
  • Transport wird zum Engpass
  • Herausforderung kompetente Mitarbeiter zu finden
  • Ansehen der Ausbildungsberufe in der Bevölkerung ist schlecht, das gilt für alle handwerksorientierten Berufe
  • Qualität bei den Auszubildenden oft unzufrieden
  • Aufgaben werden deutlich komplexer, was einen erheblichen Veränderungsprozess bei Unternehmen & Mitarbeitern zur Folge haben wird
  • Gesetzliche Vorgaben werden immer komplexer

Für mein Unternehmen bedeutet das, dass wir uns in der Zukunft immer schneller neu erfinden müssen. Nischen müssen immer wieder neu gesucht und ausgebaut werden, Mitarbeiter müssen flexibel und ständig veränderungsbereit sein, Technologien werden sich verändern, Automatisierung des gesamten internen Arbeitsablaufes, inkl. Prepress. Und: intensivstes Werben um Auszubildende und kompetente Mitarbeiter/innen.