Grünen Worten müssen Taten folgen

Manuel Heidbrink (l.) VskE-Vorsitzender und Klemens Ehrlitzer, VskE-Geschäftsführer (Quelle: Michael Scherhag)
Manuel Heidbrink (l.) VskE-Vorsitzender und Klemens Ehrlitzer, VskE-Geschäftsführer (Quelle: Michael Scherhag)

Ökologie, Nachhaltigkeit und Recycling stehen lange schon auf der Agenda der Wirtschaft – nun sind sie gekommen, um zu bleiben. Manuel Heidbrink, VskE-Vorsitzender und Klemens Ehrlitzer, VskE-Geschäftsführer, zur aktuellen Situation in der Branche und zur neuen Rubrik “Ökologie & Nachhaltigkeit” in der Fachzeitschrift “Etiketten-Labels”.

Schon 2009 hatte die Labelexpo einen Teil der Messe als „Green Park“ ausgewiesen, um so das Thema Ökologie zu präsentieren. Ein tatsächlicher Einfluss auf die Branche war nicht zu spüren. Wo immer seither Unternehmen grüne Themen aufgriffen, waren es überwiegend Marketing-Kampagnen mit grünem Anstrich. Spätestens seit die Fridays-for-Future-Bewegung für weltweite Aufmerksamkeit sorgt, hat sich die Situation grundlegend geändert. Vor allem Verpackungen sind in den Fokus geraten – und damit auch das Segment an Etiketten, die bei Verkaufsverpackungen am Point of Sale eingesetzt werden.

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Logo_Green-Label-Printing klein 200 pixel hochDer VskE (Verband der Hersteller selbstklebender Etiketten und Schmalbahnkonverter e.V.) hat früh auf diese Entwicklung reagiert und im Mai 2019 eine Round-Table-Veranstaltung initiiert, die unter der Überschrift „umweltgerechte und nachhaltige Verpackung aus Sicht der Etiketten“ stand. Sie hat das Ziel, Handlungsempfehlungen für die Mitglieder zu erarbeiten und Aufklärung über die komplexen Zusammenhänge des Themas zu betreiben. Nach Ansicht des VskE-Vorsitzenden Manuel Heidbrink wäre es auch wünschenswert, dass die neue Rubrik in Etiketten-Labels hierzu beiträgt, weil im Markt gegenwärtig sehr viel Halbwissen und missverständliche Informationen über die Nachhaltigkeit von Etiketten kursieren.

Kunststoff im Brennpunkt

In erster Linie stehen alle Verpackungen aus Kunststoff im Brennpunkt der Diskussionen. Die Forderung lautet, den Einsatz von Kunststoffen so weit wie möglich zu reduzieren. Da Obermaterialien von Haftetiketten zu schätzungsweise einem Viertel auf Kunststoffen basieren, sind sie davon direkt betroffen. Der überwiegende Teil der Haftetiketten basiert jedoch auf Papier. Diese Materialfraktion verfügt bereits über ein stark ausgebautes System der Kreislaufwirtschaft.

“Spätestens seit die Fridays-for-Future-Bewegung für weltweite Aufmerksamkeit sorgt, hat sich die Situation grundlegend geändert.”

Die öffentliche Diskussion setzt besonders die Handelsketten unter Druck, die diesen teilweise mit pauschalen Forderungen nach Produkten mit mehr Umweltverträglichkeit an ihre Lieferanten weiterreichen. Um den Dialog mit Kunden auf der Basis fundierter Argumente führen zu können, benötigen Etikettenbetriebe umfassendes Know-how über die gesamte Thematik. VskE-Geschäftsführer Klemens Ehrlitzer sieht eine der Aufgaben des Verbandes darin, in entsprechenden Arbeitsgruppen entsprechendes Wissen für die Mitglieder zu sammeln und aufzubereiten.

Wie sich die öffentliche Nachhaltigkeitsdiskussion zukünftig auf die Verwendung von Haftetiketten im Verpackungssektor auswirkt, wird auch davon abhängen, dass die Branche Anwender in der Praxis überzeugen kann, dass Etiketten in vielerlei Hinsicht ökologische Vorteile bieten. Als förderlich wird sich auch die Fähigkeit der Etikettenindustrie erweisen, sich mit neuen Produktideen an einen verändernden Markt anzupassen.

Aufbau von Know-how

Beim Aufbau von Know-how kann der VskE logischerweise bereits auf Informationen und Erfahrungen zurückgreifen, die in der Vergangenheit zum Beispiel im Arbeitskreis Recycling gesammelt wurden. Thematische Überschneidungen gibt es auch mit dem Arbeitskreis Compliance, der sich seit über zehn Jahren damit beschäftigt, wie Etiketten den vielfältigen Anforderungen des Gesetzgebers gerecht werden können. Auf dieses Know-how kann die im Mai 2019 gestartete Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit aufsetzen. Organisatorisch wird außerdem die Untergruppe, die sich in der Nachhaltigkeitsinitiative des VskE mit dem Recycling von Verpackungen beschäftigt, in den bestehenden Arbeitskreis integriert.

Der AK Recycling hat sich bei seiner Gründung folgende Aufgabe zum Ziel gesetzt. „Für das Recycling von Liner und Matrix eruiert, definiert und implementiert der Arbeitskreis für die Zukunft rechtssichere, praktikable und wirtschaftliche Entsorgungskonzepte innerhalb der gesamten Lieferkette.“ Dieses Ziel wird durch die Ausdehnung auf das Thema der Nachhaltigkeit um die folgende Aufgabe ergänzt: „Für den Bereich des Verpackungsrecyclings werden Argumentationshilfen und Empfehlungen für die Verbandsmitglieder erarbeitet, die darstellen, wie Etikettenlösungen neben ihren bisherigen wichtigen Funktionen z.B. der Informationsvermittlung in Zukunft die Recyclingfähigkeit von Verpackungen und sonstigen etikettierten Produkten steigern können.“

Ökologie immer wichtiger

Ökologische Aspekte spielen auch bei den übergeordneten Planungsgremien eine zunehmend wichtigere Rolle. So plant der Arbeitsausschuss des VskE beispielsweise, sein traditionelles Herbstmeeting mit dem Besuch einer Wertstoffaufbereitungsanlage zu verbinden. Damit wollen die Teilnehmer die Gelegenheit nutzen, praktisches Wissen über die Anforderungen an nachhaltige Verpackungen bzw. Etiketten aus erster Hand zu erhalten.

“Ökologische Aspekte spielen auch bei den übergeordneten Planungsgremien eine zunehmend wichtigere Rolle”

Aber auch andere Arbeitskreise, die sich mit Aufgabenbereichen wie Digitalisierung oder Materialspezifikation beschäftigen, sehen sich an verschiedenen Stellen erfahrungsgemäß ebenfalls immer wieder mit Nachhaltigkeitsforderungen konfrontiert. Solche Querverbindungen im Netzwerk des Verbandes nutzen zu können, ist einer der wesentlichen Vorteile des VskE. Als Fachverband bietet der VskE eine ideale Plattform für den Austausch relevanter Informationen. Alle Mitglieder haben die Chance, einerseits umfangreiches Wissen zu nutzen, das in verschiedenen Arbeitsgremien erarbeitet wurde, andererseits aber auch aktiv an der Entwicklung innovativer Lösungen mitzuwirken.

Fragestellungen gemeinsam anpacken

Die Mitgliedschaft in einem Verband eröffnet vielen Unternehmen die einzigartige Möglichkeit, Fragestellungen gemeinsam anpacken zu können, die für den einzelnen Betrieb oftmals eine Nummer zu groß sind. Wo es gelingt, zu bestimmten Themen einen Konsens zu finden, kann daraus ein Standard unter dem Dach des Verbandes entstehen, auf den sich eine gesamte Branche berufen kann. Ein konkretes Beispiel ist der Leitfaden für die Konformitätsarbeit, der sich seit seiner Veröffentlichung durch den VskE im Jahr 2013 mittlerweile zu einer Art Branchenstandard entwickelt hat. Dass Arbeitskreise konkrete Ergebnisse wie Leitfäden oder Handlungsempfehlungen hervorbringen, ist die prinzipielle Zielsetzung im VskE. Dass die Mitarbeit in Arbeitskreisen ein Engagement ist, das sich lohnt, kann Manuel Heidbrink aus eigener Erfahrung bestätigen: „Man wird keineswegs dümmer, wenn man mitmacht!“

Der erste Schritt

Wenn die neue Rubrik „Ökologie und Nachhaltigkeit“ zu einer Sensibilisierung der Leser führt, ist möglicherweise bereits der erste Schritt getan, sich in der Praxis stärker für grüne Themen zu engagieren. Nach Überzeugung von Manuel Heidbrink ist es ohnehin die Pflicht eines jeden Bürgers, in dieser Hinsicht Verantwortung zu übernehmen. Außerdem greifen die Forderungen der Kunden das Thema Nachhaltigkeit inzwischen derart konkret auf, dass Unternehmen sie kaum ignorieren können, ohne ihre Existenz zu gefährden. Wenn selbst die Europäische Union das Ziel ausgibt, als Kontinent bis 2050 klimaneutral zu werden, und ein Hedgefonds wie BlackRock auf „Green Investing“ setzt, dürfte allein schon das wirtschaftliche Interesse genügen, um Ökologie und Nachhaltigkeit als Entwicklungsziel ernst zu nehmen. Aus Sicht von Klemens Ehrlitzer sollte auch niemand erwarten, dass der Druck des Marktes eines Tages nachlässt, wenn die Plastik-Diskussion abflauen sollte. Zum einen steht das Thema auf der Agenda der Jugend weit oben und zum anderen beschäftigt sich der Gesetzgeber nicht erst seit gestern mit diesem Thema, wie das neue Verpackungsgesetz zeigt, das im letzten Jahr die Nachfolge der mehrfach novellierten Verpackungsverordnung von 1991 angetreten hat. [11941]

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