Chromos – Im Heimatmarkt der Sleeve-Pioniere Fuß fassen

Die keramikverstärkte Schnittführung von Axcyl-Sleeves ist patentiert (Quelle: Trelleborg)
Die keramikverstärkte Schnittführung von Axcyl-Sleeves ist patentiert (Quelle: Trelleborg)

Die Vertretung durch die Chromos GmbH verhilft Axcyl-Sleeves von Trelleborg zu mehr Wachstum. Klemens Ehrlitzer* eröffnet für Etiketten-Labels einen Blick hinter die Kulissen.

Die exklusive Vertretung der Sleeve-Technologie von Trelleborgs Geschäftseinheit Printing Solutions im deutschen Markt, ist für die Chromos GmbH eine gezielte Erweiterung des Tätigkeitsfeldes als Handels- und Dienstleistungsunternehmen. Die Sleeves und Adapter-Systeme der Marke Axcyl ergänzen seit Beginn des Jahres 2021 das Portfolio, das seinen Schwerpunkt bisher vor allem bei Investitionsgütern für den Etiketten- und Verpackungsdruck hatte. Wo die beteiligten Firmen ihre gemeinsamen Ziele sehen, und warum gerade der deutsche Markt eine besondere Bedeutung hat, haben Damien Leterrier (Application Manager bei Trelleborgs Geschäftseinheit Printing Solutions) und Klaus Sedlmayr (Geschäftsführer der Chromos GmbH) in einem Interview mit dem Autor erläutert.

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Die Verbreitung der Axcyl-Sleeves im deutschsprachigen Markt noch stärker zu forcieren, ist das erklärte Ziel der Vertriebspartner. In der Anfangsphase soll der Schmalbahndruck dabei die Schlüsselrolle spielen. In diesem Branchensegment liegt seit jeher ein Schwerpunkt der Kundenbasis für die Chromos GmbH. Dort sieht auch Damien Leterrier viel Potenzial, das sich mittelfristig weiter ausschöpfen lässt.

Faszination Flexodruck

Damien Leterrier, Application Manager bei Trelleborgs Geschäftseinheit Printing Solutions (Quelle: Trelleborg)
Damien Leterrier, Application Manager bei Trelleborgs Geschäftseinheit Printing Solutions (Quelle: Trelleborg)

Seine berufliche Laufbahn bot Damien Leterrier ausreichend Gelegenheit, umfangreiche Erfahrungen mit der Verpackungsbranche und dem Flexodruckverfahren zu sammeln. In den über 25 Jahren kam er sowohl mit den Bereichen Extrusion und Druck bei einem französischen Verpackungsproduzenten in Berührung als auch mit der Druckformherstellung bei einem Anbieter von Fotopolymer-Druckplatten. Daraus hat sich seine besondere Faszination für den Flexodruck entwickelt.

Neben seiner Funktion als Applikation Manager ist er als globaler Vertriebsleiter zusätzlich noch für das weltweite Vertriebsnetz der Geschäftseinheit Printing Solutions von Trelleborg mit seinen mehr als 40 Partnerfirmen verantwortlich. Erste Erfahrungen mit der Chromos-Gruppe und vor allem die guten Kontakte zu OEM-Firmen haben Damien Leterrier in der Entscheidung bestärkt, eine exklusive Zusammenarbeit im deutschsprachigen Markt mit dem Augsburger Unternehmen einzugehen.

Sleeves aus Mirambeau seit über 25 Jahren

Mitte der 1990er Jahre fand die Gründung der Firma Axcyl Composites statt. Nach einer zwischenzeitlichen Zugehörigkeit zu MacDermid erfolgte 2008 die Übernahme durch Trelleborg. Innerhalb der Unternehmensgruppe firmiert der Geschäftsbereich als Coated Systems Mirambeau. Am Standort im Südwesten Frankreichs entwickelt und fertigt der Betrieb nunmehr seit über 25 Jahren ein komplettes Produktprogramm an Sleeves für den Flexodruck. Der Markenname Axcyl wurde nach der Eingliederung in die Trelleborg-Gruppe aufgrund seines hohen Bekanntheitsgrades beibehalten.

Von Beginn an ist der Aufbau der Sleeves mit seiner speziellen Wabenstruktur ein besonderes Produktmerkmal. Er ermöglicht eine hohe Formstabilität, sehr gute Druckeigenschaften und eine lange Lebensdauer, die im Schnitt bei mehr als zehn Jahren liegt.

Als Leiter des globalen Vertriebs ist Damien Leterrier mit der jeweiligen Marktsituation in den einzelnen Regionen vertraut. Auffällig ist dabei, dass die Sleeves in nahezu allen wichtigen Märkten inzwischen über eine starke Positionierung verfügen, der deutsche Markt dabei jedoch jahrelang eine Ausnahme bildete.

Im historisch schwierigen Markt Fuß gefasst

Dieses Phänomen hat nach Einschätzung von Klaus Sedlmayr vor allem historische Gründe. Weil mit den Unternehmen rotec, Polywest und AKL in der Anfangsphase der Sleeve-Technologie gleich drei absolute Pioniere in Deutschland erfolgreich miteinander konkurrierten, stellte der Heimatmarkt dieser Firmen für jeden Anbieter von außen eine ganz besondere Herausforderung dar. In den letzten Jahren ist es Axcyl jedoch zunehmend gelungen, auch in diesem Markt Fuß zu fassen. „Zwar sehen wir nach wie vor viel Potenzial, uns noch breiter zu etablieren. Aber die mittlerweile sehr gute Akzeptanz unter namhaften OEM-Partnern im deutschsprachigen Markt, stimmen uns doch sehr zuversichtlich, dass wir unser aktuelles Wachstum mittelfristig nochmals merklich steigern werden“, erklärt Damien Leterrier. Das gelte einerseits für das Segment des Wide-Web-Flexodrucks, in dem das Unternehmen rund 70 Prozent seines Umsatzes generiert. Aber auch im Schmalbahndruck sieht er einen vielversprechenden Wachstumsmarkt, da durch die Zusammenarbeit mit der Chromos GmbH ein direkter Draht zu einer sehr breiten Kundenbasis entsteht.

 

Hochwertige Produkte für qualitativ anspruchsvolle Anwender

Klaus Sedlmayr, Geschäftsführer der Chromos GmbH (Quelle: Chromos)
Klaus Sedlmayr, Geschäftsführer der Chromos GmbH (Quelle: Chromos) (Bild: Copyright: Fotostudio Hatzold D-86316 Friedberg)

Sowohl im Kontakt mit den Maschinenherstellern als auch mit Druckereien stellt Klaus Sedlmayr häufig fest, dass die technischen Vorteile und der Service rund um die Axcyl-Sleeves sehr positiv aufgenommen werden. Die Anforderung an die Druckqualität sind im Schmalbahndruck generell und hierzulande ganz besonders von einem extremen Anspruchsdenken geprägt. Der breite Einsatz von UV-Farben sorgt für ein hohes Qualitätsniveau und der Wettbewerb mit anderen Verfahren wie Offset-, Sieb- oder Tiefdruck stellt den Flexodruck immer wieder aufs Neue vor Herausforderungen. Auch der Wide-Web-Flexodruck sieht sich aufgefordert, die Messlatte für die Druckqualität immer wieder höher zu legen, wenn er seine Marktanteile gegenüber dem Tiefdruck weiter ausbauen will.

In diesem Zusammenhang profitieren Axcyl-Sleeves von einem Alleinstellungsmerkmal: Für den Wandaufbau werden Epoxid-Werkstoffe mit einer speziellen Honigwaben-Struktur eingesetzt – im Gegensatz zur ansonsten marktüblichen Verwendung von Polyurethan. Aufgrund ihres speziellen Basismaterials weisen Axcyl-Sleeves eine sehr hohe Stabilität und Widerstandsfähigkeit sowie ein niedriges Gewicht auf. Diese Merkmale erschließen den Anwendern verschiedene Vorteile. Beispielsweise sorgt die stabile Struktur der Sleeves für vorteilhafte Dämpfungseigenschaften, wodurch sich die im Flexodruck häufig zu beobachtenden Schwingungsstreifen verhindern lassen. Das wirkt sich günstig auf die Druckqualität aus und erlaubt darüber hinaus auch höhere Produktionsgeschwindigkeiten. Gleichzeitig verfügen die Sleeves über eine Montage-Schicht mit einer speziellen Oberfläche. Sie stammt aus der Entwicklungsabteilung von Trelleborg und erleichtert das Aufschieben und Abziehen der Sleeves.

Dauerhafte Stabilität als Kostenfaktor

Im Zusammenhang mit der bereits erwähnten Honigwaben-Struktur erweisen sich Axcyl-Sleeves nach Aussage von Damien Letterier als besonders langlebig. „Bei vielen Kunden sind sie in der Praxis oft zehn Jahre und länger im Einsatz.“ Dass für ihre Herstellung Epoxid-Werkstoffe als Basis genutzt werden, hat zudem noch einen weiteren Vorteil. Während Polyurethan-Schichten dazu neigen, sich unter Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen zu verformen, bleiben Axcyl-Sleeves auch unter extremen äußeren Bedingungen formstabil. Selbst über längere Zeiträume zeigen sie keine Neigung, Feuchtigkeit aus der Umgebung sowie Lösemittel oder Farbbestandteile aufzunehmen. Bei anderen Materialien kann das zum Aufquellen der Oberfläche führen. Wenn das der Fall ist, steigt das Risiko von Registerproblemen, sobald ein einzelner Sleeve aus einem gesamten Satz erneuert werden muss. Manche Druckereien tauschen deshalb den kompletten Sleeve-Satz aus. „Nach unserer langjährigen Erfahrung sind solche Schwierigkeiten mit Axcyl-Sleeves aufgrund der dauerhaft hohen Stabilität kaum zu beobachten. Deshalb hilft diese Eigenschaft unnötige Kosten einzusparen, wenn z.B. im Bedarfsfall nur ein neuer Sleeve anstelle eines ganzen Satzes angeschafft werden muss.“

Ausgereiftes Produktprogramm mit praktischen Features

Damien Leterrier bezeichnet die Sleeves von Axcyl als ausgereiftes System. „Wir haben im Lauf der Zeit auch einige praktische Features integriert, die den Anwendern das Leben erheblich erleichtern.“ Ein Beispiel ist der ‚Cutting Guide‘. Dieses patentierte System mit einer keramikverstärkten Schnittführung erlaubt das Schneiden der Druckplatte direkt auf dem Sleeve, ohne dabei die Oberfläche zu beschädigen.

In Sachen Handhabung können Axcyl-Sleeves ihre materialbedingten Vorteile seit jeher ausspielen. Bei Standard-Sleeves liegt das Gewicht in der Regel rund 30 Prozent unter vergleichbaren Produkten von anderen Anbietern. „Das erleichtert dem Personal im wahrsten Sinne des Wortes die Arbeit“, meint Klaus Sedlmayr. „Gleichzeitig hat das auch Auswirkungen auf den Energieverbrauch der Druckmaschine, da aufgrund des geringeren Gewichts weniger Masse bewegt werden muss.“ Von diesen Vorteilen profitieren Axcyl-Anwender bei allen Produkten, ohne in Sonderentwicklungen wie Leichtgewichts-Sleeves investieren zu müssen.

Abgerundet werden die Ausstattungsmerkmale u.a. mit einer speziellen Beschichtung zur Versiegelung der Stirnseiten. Diese Schicht, die von Trelleborg eigens für diesen Zweck entwickelt wurde, ist gleichzeitig stoßabsorbierend und verhindert dadurch typische Beschädigungen, die während der Handhabung von Sleeves entstehen können. Hilfreich ist auch die generelle Karbon-Verstärkung der Lochzunge, die zur Positionierung auf dem Spann- bzw. Luftzylinder dient. Damit rüstet Axcyl alle Sleeves unabhängig von ihrer Wandstärke aus.

Klischeeträgersleeves von Axcyl weisen eine hohe Formstabilität und Vibrationsdämpfung auf (Quelle: Trelleborg)
Klischeeträgersleeves von Axcyl weisen eine hohe Formstabilität und Vibrationsdämpfung auf (Quelle: Trelleborg)

Schneller und zuverlässiger Lieferservice

Unter der Bezeichnung ‚Fast Track‘ hat Axcyl einen Service etabliert, der eine hohe Verfügbarkeit der Sleeves und weltweit kurze Lieferzeiten sicherstellt. Da der Aspekt ‚Time to Market‘ innerhalb der gesamten Lieferkette heutzutage ein enorm wichtiger Schlüssel zum Erfolg ist, hat das Unternehmen 2019 seine Kapazitäten in diesem Bereich nochmals verdoppelt. Dadurch ist heute gewährleistet, dass ein Set an Flexodruck-Sleeves von Axcyl rund um den Globus innerhalb von zehn Arbeitstagen nach Bestelleingang beim Kunden ausgeliefert wird.

Im Gegensatz zur Ausstattung von neuen Maschinen oder der Ersatzbeschaffung für einen bestehenden Bestand sind diejenigen Fälle besonders zeitkritisch, in denen Druckereien beispielsweise einen Auftrag für ein neues Design erhalten und dafür passende Sleeves benötigen. Bei diesem Szenario erfolgt die Bestellung der neuen Sleeves erst zu dem Zeitpunkt, wenn der Endkunde seinen Auftrag bei der Druckerei platziert hat. „Für diese Situationen erweist sich unser Fast Track Service regelmäßig als wichtiges Entscheidungskriterium mit sehr hohem Stellenwert bei den Kunden. Schließlich wäre es fatal, wenn in der Druckerei alle benötigten Komponenten von der Farbe über die Druckplatten bis hin zu Rasterwalzen und Bedruckstoff verfügbar wäre, aber mit der Produktion des Auftrags erst noch auf die Lieferung der erforderlichen Sleeves gewartet werden muss.“ Deshalb sind die kurzen Lieferzeiten für Damien Leterrier besonders hilfreich, wenn es um das Erschließen neuer Märkte und den Ausbau von Marktanteilen geht. Das erklärt auch, warum es Axcyl so erfolgreich gelingt, seine Sleeves trotz Highend-Technologie auch in bekanntermaßen preissensiblen Märkten wie im Mittleren Osten oder in Afrika zu etablieren.

Die keramikverstärkte Schnittführung von Axcyl-Sleeves ist patentiert (Quelle: Trelleborg)
Die keramikverstärkte Schnittführung von Axcyl-Sleeves ist patentiert (Quelle: Trelleborg)

Ausweitung des Angebots

Das Portfolio der Chromos GmbH über das bisherige Angebot an Maschinentechnik hinaus mit Sleeves zu erweitern, ist für Klaus Sedlmayr ein logischer Schritt. Das Unternehmen wird dadurch für Druckereien auch dann interessant, wenn bislang keine Maschinen der von Chromos vertretenen Lieferpartner betrieben werden. Die Konstellation, dass neben Druckmaschinen und Kapitalgütern auch periphere Ausstattungen wie Rasterwalzen und Sleeves sowie Equipment, z.B. Plattenmontagegeräte, vertrieben werden, trifft nach Auskunft von Damien Leterrier auf die meisten der 40 weltweiten Axcyl-Vertretungen zu. Seine Erfahrung ist, dass sich daraus Synergien ergeben, von denen alle Seiten profitieren.

Der Strukturaufbau der Axcyl-Sleeves ermöglicht eine sehr gute Druckqualität und eine hohe Lebensdauer (Quelle: Trelleborg)
Der Strukturaufbau der Axcyl-Sleeves ermöglicht eine sehr gute Druckqualität und eine hohe Lebensdauer (Quelle: Trelleborg)

Die Chromos GmbH just unter den Rahmenbedingungen einer weltweiten Pandemie in das Vertriebsnetzwerk einbinden zu müssen, war für Damien Leterrier eine ungewöhnliche Situation. Schließlich wird das Anbahnen und Integrieren neuer Vertretungen typischerweise durch intensive Gespräche begleitet, die im Rahmen von Messen oder anderen Veranstaltungen stattfinden. Dank der digitalen Möglichkeiten wie Online-Meetings konnte dieses Projekt aber wie so viele andere ebenfalls trotz Lockdown-Maßnahmen erfolgreich gemeistert werden.

Auswirkungen von Corona erfolgreich gemeistert

Auch wenn die Corona-Pandemie einen enormen Einfluss auf alle Bereiche von Trelleborg hatte, sind viele anfängliche Befürchtungen jedoch nicht im erwarteten Maß eingetreten. Als besonderes Glück hat sich erwiesen, einer lebendigen und agilen Branche anzugehören, die von Schließungen größtenteils verschont blieb. Investitionsprojekte, die nach dem ersten Lockdown nahezu komplett auf Eis gelegt wurden, haben die meisten Kunden nach kurzer Zeit wieder aufgegriffen. Gemeinsam mit Händlern und Vertretungen wurden Wege gefunden, um den Kontakt zu den Kunden aufrechtzuerhalten. In der Folge konnte die Produktion bei Trelleborg an allen Standort weltweit ohne Unterbrechung weitergeführt werden. In der aktuellen Situation liegt die größte Herausforderung in der Unberechenbarkeit der zukünftigen Entwicklung. Da eine kurzfristige Anpassung bei der Planung von Betriebsabläufen und eng verzahnten Produktionsprozessen schwierig zu realisieren ist, liegt der Schlüssel zum Erfolg momentan unabhängig von der Position und Größe eines Unternehmens in seiner Fähigkeit, agil zu handeln.

*Klemens Ehrlitzer ist seit 1984 in der Druckindustrie journalistisch tätig und war als Redakteur für die redaktionellen Inhalte verschiedener Fachzeitschriften zuständig. Im Jahr 1993 gründete er das Redaktionsbüro Flexible Kommunikation. Parallel zu seiner journalistischen Tätigkeit ist Ehrlitzer seit 2008 Geschäftsführer des VskE (Verband der Hersteller selbstklebender Etiketten und Schmalbahnconverter e.V.).

 

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