Multilayer-Technologie auf neuen Wegen

Fertigung bei Printum
Multilayer-Fertigung im Großformat und mit klebstofffreier Ultraschall-Verschweißung (Quelle: Printum)

Wenn wir über Multilayer- oder Multiweb-Technologie sprechen, denken wir in der Regel an die Produktion von Sandwichlabels, also mehrlagigen Etiketten etwa zur Auszeichnung von Produkten. Nicht so die Firma Printum aus Ravensburg, die seit vielen Jahren Anlagen und Komponenten für die Produktion mehrlagiger Etiketten herstellt. Von Martin Volckart.

„Wir sehen uns schon lange nicht mehr nur als Hersteller von Etikettendruck- und Veredelungsanlagen, sondern als Spezialisten im Fügen und Bearbeiten von Materialbahnen.“ sagt Bernd Leising, Geschäftsführer der Ravensburger Firma Printum und „diese Technologie ist aufgrund ihrer Kombination aus Präzision und Geschwindigkeit nicht nur für den Etikettendruck interessant“.

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Angefangen hat das „Doppelleben“ mit einer Anfrage eines Herstellers von Dampfsperren für den Hausbau. Dieser wollte eine Verbundfolie aus verschiedenen Materialien ohne den Einsatz von Klebstoffen herstellen. „Das war die Initialzündung für unser zweites Standbein“ sagt Leising heute.

Zusammenfügen verschiedener Materialien zur Herstellung von Luftfiltern für die Automobilindustrie
Zusammenfügen verschiedener Materialien zur Herstellung von Luftfiltern für die Automobilindustrie
(Quelle: Printum)

Die Herstellung von Verbunddampfsperren mittels Multilayer-Technologie ist noch naheliegend, wenn auch die Bahnbreite von bis zu 3,5 Metern für Etikettendrucker gigantisch anmutet. Schließlich wird, wie bei der Etikettenproduktion, Rollenware verarbeitet. Was bringt jedoch Hersteller von Brennstoff- oder Batteriezellen auf die Rolle?

Elektromobilität und Digitalisierung –  zwei Innovationstreiber 

Die Mobilitätswende mit ihrem Umstieg auf elektrische Antriebskonzepte stellt insbesondere die Automobilhersteller, aber auch Hersteller von Pedelecs, Scootern, Robotern und anderer mobiler Systeme vor große Herausforderungen. Batterien und Brennstoffzellen müssen massenhaft und kostengünstig hergestellt werden. Auf Ihrer Suche nach Lösungen sind die Autobauer dann irgendwann „auf die Bahn“ gekommen.

„Die Produktion mit Materialbahn ermöglicht enorme Produktivitätssprünge.“

Bernd Leising

„Kein Wunder“, meint Leising, schließlich ermögliche die Produktion mit Materialbahnen enorme Produktivitätssprünge“, und nennt als Beispiel die Fertigung von Stacks für Brennstoffzellen. Werde ein Stack im herkömmlichen Pick & Place-Verfahren in etwa zwei Minuten zusammengefügt und verschweißt, benötige die von Printum entwickelte Anlage gerade einmal eine Sekunde, und das bei deutlich geringeren Fertigungstoleranzen. Ähnliche Produktivitätssteigerungen sind etwa bei der Fertigung von mehrlagigen Isolatoren in der Batteriefertigung möglich.

Schlüsselkompetenzen der Zukunft

Wenn sogar zentrale Komponenten für die Brennstoffzellen- und Batterieproduktion mit Multilayer-Technologie produziert werden, um wie viel mehr eignen sich dann weniger komplexe, bislang im Pick & Place-Verfahren gefertigte Produkte verschiedenster Branchen für eine Fertigung auf Multilayer- Verarbeitungsanlagen.

Und hier kommt laut Leising der Etikettendruck ins Spiel: „Die Etikettenbranche verfügt über große Erfahrung und viel Knowhow im Umgang mit verschiedensten Folienmaterialien und kann ein wichtiger strategischer Partner zukünftiger Schlüsselindustrien werden“. Dass sich das bereits herumspricht, zeigt unter anderem, dass die Labelexpo und die entsprechenden Fachmedien mittlerweile von vielen Branchenfremden wahrgenommen werden.

Wenderad Printum
Brennstoffzellen-Stacks dürfen nicht geknickt werden. Das „Wenderad“ sorgt für eine plane Umlenkung der Elemente (Quelle: Printum]

In neuen Bahnen denken – Etikettendrucker als Partner des Fortschritts

Doch nicht nur Anlagenhersteller können davon profitieren, dass Multilayer-Fertigung in manchem Bereich die bisher oft übliche manuelle oder Pick & Place-Fertigung um Längen schlägt und wohl verdrängen wird.

„Wer als Etikettendrucker über den Tellerrand schaut, kann sich in die Entwicklung und Produktion technischer Produkte einbringen.“

Bernd Leising

Wer als Etikettendrucker über den Tellerrand schaue, könne sich laut Leising in die Entwicklung und Produktion technischer Produkte einbringen. Verfahren wie das Bedrucken, Prägen, Schneiden, Laminieren und Personalisieren von verschiedensten Substraten sind für einen Etikettendrucker sein tägliches Brot. Für Hersteller aus anderen Branchen können sie jedoch einen Quantensprung bedeuten, wie das Beispiel eines Filterherstellers zeigt, der sich mit Plagiaten herumschlagen musste.

Anlage für mehrlagige Isolatoren
Anlagen zur Herstellung mehrlagiger Isolatoren/Zwischenplatten in Batterien (Quelle: Printum)

Eine Prägung und Falzung à la Etikettendruck hat sein Problem gelöst, einfach und nachhaltig.  Auch wichtige Komponenten für die Batteriefertigung können laut Leising auf einer modifizierten Etikettendruckanlage gefertigt werden. Dass die Entwicklung bereits im Gange ist, zeigt der letzte Auftragseingang bei Printum. Ein Etikettendrucker lässt seine Anlage umrüsten und produziert zukünftig „gedruckte Elektronik“ für niederstromige Anwendungen in der Automotive- und Elektroindustrie.

Ob Produktivitätsverbesserung, die Erhöhung der Fälschungssicherheit oder Verbesserung der Umweltfreundlichkeit – das Knowhow und die Kreativität der Etikettendrucker ist laut Leising „viel zu schade, um es auf die Etikettenproduktion zu beschränken“. [9701]

Printum und seine Produkte

Die Printum GmbH in Ravensburg Oberschwaben entwickelt neben Multilayer Lösungen für die Etikettenbranche auch Produktionsanlagen für andere Anwendungen. Folgende Produkte werden unter anderen auf von Printum (auf Basis der „Etiketten-Technologie“) entwickelten Anlagen produziert:

  • Armbänder mit Sicherheitsmerkmalen für Veranstaltungen
  • Komponenten für Solarzellen
  • Vignetten
  • Gedruckte Elektronik
  • Insektenfallen
  • Filter für die Tabakindustrie
  • Mehrlagige Dampfsperren für die Gebäudedämmung
  • Automobil-Luftfilter
  • Brennstoffzellen-Stacks
  • Batterie-Isolatoren
  • v.a.

 

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