Rastertechnologien für den Flexo- und Buchdruck

Im Hochdruck hängt die Wahl der passenden Rastertechnologie und der geeigneten Druckplatte von der Art des Druckverfahrens (Flexo- oder Buchdruck) und des Motivs ab. Heute stehen traditionelle Rastertechnologien wie AM und FM sowie unterschiedliche Verfahren für die Druckplattenherstellung wie HD Flexo, Flexcel NX und Next zur Verfügung.

Weiterhin kann in der Herstellung von Druckplatten die Inkjet-Technologie eingesetzt werden.

Dieser Beitrag wurde verfasst von Ralf Degenhart

Als solide Basis zur Unterscheidung der Anwendungen ist es wichtig, die Grundrasterarten zu kennen und mit ihrem Aussehen sowie ihrer Wirkung im Druck vertraut zu sein. Traditionell nutzt man ein amplitudenmoduliertes (AM) oder ein frequenzmoduliertes (FM) Raster.

Beim AM-Raster sind die Rasterzellen immer gleich groß. Die Größe des darin platzierten Rasterpunktes entscheidet über den Tonwert (eine Deckung von 100% entspricht einer Vollfläche). Zudem ist die Form der Rasterpunkte (rund, elliptisch, rauten- oder kettenförmig) von Bedeutung, da damit der Punktschluss, also das sich Berühren zwischen den Tonwerten 40% und 60% optimiert wird.

Vorteile des AM-Rasters:

  • Geringer, stabiler Tonwertzuwachs bietet Zuverlässigkeit beim Drucken, auch wenn Parameter dort
    schwanken;
  • Gleichmäßige technische Raster, die ein ruhiges und ausgewogenes Druckbild ergeben;
  • Gute Wiederholbarkeit der Druckergebnisse und Prozesssicherheit, da sich die ISO-Normen
    auf AM-Raster beziehen.

Nachteile des AM-Rasters:

  • Beim Rasterdrucken mit mehreren Farben kann es zur Moiré- und Rosettenbildung kommen. Dies ist vor allem bei mehr als drei Farben kritisch, da die Struktur auffallender und teilweise auch störend bei gröberen Rasterauflösungen (z.B. 50er Raster) ist;
  • Geringere Detailtreue (Zeichnung) im direkten optischen Vergleich zum FM-Raster

Beim FM-Raster sind im Gegensatz zum AM-Raster die Rasterzellen unterschiedlich groß und daher optisch eigentlich nicht erkennbar. Die Rasterzelle wird aus einer Vielzahl kleiner, fein verteilter, gleich großer Punkte und Freiräume aufgebaut. Dadurch entsteht für uns optisch ein Farbwert (wenige Punkte und viel Freiraum für ein helles Druckbild, viele Punkte und wenig Freiraum für ein dunkles).

Die Rasterpunktgröße ist immer konstant. Das bedeutet, dass sich mit zunehmendem Tonwert die Zahl der gesetzten Punkte erhöht, bis sie sich dann bei zunehmender Flächendeckung gegenseitig berühren und zusammenwachsen. Dadurch entsteht der „unstrukturierte“ optische Eindruck.

Vorteile des FM-Rasters:

  • Kein Moiré-Effekt und keine Rosettenbildung;
  • Auch bei schwierigen Substraten sind fotorealistische und plastische Druckergebnisse realisierbar;
  • Eine feinere Zeichnung und bessere Details als bei AM-Rastern.

Nachteile des FM-Rasters:

  • gleichmäßigen technischen Rastern in Flächen und Verläufen;
  • Durch die Frequenzmodulierung ist eine identische Wiederholbarkeit des Drucks nicht gegeben;
  • Aufgrund der Streuung sind Punktzuwächse höher als beim AMRaster und im Druck nur schwer zu kontrollieren.

Flexodruck und Buchdruck: Zwei Verfahren, eine Lösung

Da beim AM- und FM-Raster konträre Vor- und Nachteile auftauchen, ist es logisch, dass vor allem im Flexodruck und Buchdruck versucht wird, eine Rastertechnologie zu nutzen, die die Vorteile beider Verfahren vereint und die Nachteile minimiert. Daraus ist das Hybridraster entstanden. Diese Mischtechnologie wird vor allem im qualitativ hochwertigen Segment genutzt, bei dem man in direkten Vergleich mit dem Offset- oder Tiefdruck steht und optisch möglichst identische Motive drucken muss.

Das Hybrid Raster ist eine echte Kombination aus dem FM-Raster für die Lichter und die Tiefen sowie einem AM-Raster im Mittelton (Tonwertbereich von 10% bis 90%). Dadurch werden die Vorteile dort genutzt, wo sie deutlich zum Tragen kommen und die Nachteile in den Bereichen minimiert, in denen sie starke Wirkung zeigen.

Vorteile des Hybridrasters:

  • Kein Moiré-Effekt und keine Rosettenbildung in den kritischen Bereichen (Lichter);
  • Optisch glattere Lichter und Flächen;
  • Stabil und leicht druckbar, da keine zu kleinen Rasterpunkte (unter 1%) genutzt werden;
  • Sehr feine Zeichnung und Details im Druckbild;
  • Optisch ein deutlich besseres Ergebnis in den
    kritischen Bereichen des Druckbilds.

Nachteile des Hybridrasters:

  • Nicht auf allen Bedruckstoffen einsetzbar;
  • Je besser die Oberfläche des Bedruckstoffs ist, desto besser die Ergebnisse. Allerdings ist
    mindestens eine gestrichene Qualität erforderlich, was den Materialpreis in die Höhe treibt.

Variationen und Erweiterungen der Grundraster

Für den Hochdruck optimierte Raster-Image-Prozessoren (RIP) basieren auf den Grundrastern und nutzen Variationen, Anpassungen und Erweiterungen, damit sich im Flexo- und Buchdruck eine möglichst hohe Qualität erzielen lässt. Da die Druckereien heute auch unterschiedliche Druckverfahren kombinieren, ist es wichtig, dass neben den flexospezifischen Rastern auch alle Grundraster und Punktformen vom RIP unterstützt werden.

Drei unterschiedliche Systeme, die Rasterung für den Flexodruck zu optimieren, bieten beispielsweise u.a. HD Flexo von Esko, Flexcel NX von Kodak und die Smart-Screening-Technologie. Werden die unterschiedlichen Lösungen miteinander verglichen, wird deutlich, dass die unterschiedlichen Anbieter die gleichen oder ähnliche Technologien und Optionen, wie Flat-Top-Dots oder die Nutzung von Stützpunkten für die Lichter auf Basis der Grundraster, unter unterschiedlichen Bezeichnungen führen. Der Grund ist, dass die Gegebenheiten und Limitationen des Flexodrucks zwingend diese oder ähnliche Ansätze und Lösungen benötigen.

So gesehen hat jeder Lösungsanbieter die letzten fünf Jahre genutzt, um mit ihren Technologen die folgenden Ziele zu erreichen:

  • Weiche Ausläufe in den Rasterverläufen;
  • Der Tonwertumfang soll erhalten bleiben;
  • Die Nutzung einer Vielzahl von Substraten;
  • Punktzuwächse sollen überschaubar und kontrollierbar sein;
  • Druckmotive, die für den Offsetdruck angelegt sind, sollen auch im Flexo- und Buchdruck vergleichbar gedruckt werden können, ohne dass dabei ein zu großer Aufwand in der Druckvorstufe entsteht.

Technologisch gesehen, lassen sich HD Flexo und Flexcel NX am besten vergleichen. Dabei handelt es sich um die am Markt am weitesten verbreiteten Lösungen.