Rationalisierung durch Standardisierung

Die Installation einer zweiten Flexodruckmaschine des Typs Mark Andy P5 bei Römer Etikett in Marburg-Elnhausen soll die Produktionskapazität der Watershed Group steigern und eröffnet neue Möglichkeiten zur Verbesserung der Angebotspalette des Unternehmens.

von Nick Coombes

Römer Etikett wurde als Familienunternehmen mit Sitz in Marburg von Dietmar und Irmgard Römer im Jahr 1965 gegründet. Der Schwerpunkt der Produktion lag ursprünglich auf Haftetiketten für Gesundheits- und Hygieneprodukte. Zum Kundenstamm zählen deutsche und internationale Unternehmen aus den Bereichen Lebensmittel, Hygiene, Kosmetik und Technik. Römer Etikett operiert seit 2011 als Mitglied der Watershed Label Group mit Hauptsitz in Dublin, Irland.

Zum Zeitpunkt der Übernahme verfügte das Unternehmen zwar über verschiedene ältere Buch- und Flexodruckmaschinen, doch der weitere Ausbau stagnierte. Schon seit längerer Zeit hatte der traditionsreiche Familienbetrieb keine Investitionen mehr getätigt und erst der Aufkauf durch den kürzlich verstorbenen Tom Waters brach diese Stagnation auf. Der irische Gründer von Watershed hatte zuvor bereits die Unternehmen LPS mit Sitz in London, UK und Etiko mit Sitz im polnischen Szczecin (Stettin) in die Gruppe integriert.

Ehrgeizige strategische Ziele

Unter der Geschäftsleitung von Claus Schüring, der dem Unternehmen seit 1997 angehört, wurden einschneidende Maßnahmen ergriffen, um das von CEO Liz Waters vorgegebene strategische Ziel zu erreichen, den Gruppenumsatz von aktuell EUR 17 Millionen auf über EUR 30 Millionen bis zum Jahr 2020 zu steigern. Da sich dies nach ihrer Einschätzung durch organisches Wachstum allein nicht erreichen lässt macht sie keinen Hehl daraus, dass mit weiteren Firmenübernahmen zu rechnen ist. Jedes Gruppenmitglied bildet zwar eine eigenverantwortlich handelnde Einheit, arbeitet jedoch eng mit den anderen zusammen, um gemeinsam die Produktivität zu steigern und Kosten zu senken. Darüber hinaus verfügt jede Einheit über gewisse Reservekapazitäten zur Durchführung kurzfristiger Eilaufträge. Dies wird als ein Kernelement bei den Verhandlungen mit international auftretenden Markenartiklern angesehen, da diese bestimmte Pufferbereiche zur Absicherung der Produktionsprozesse erwarten.

Standardisierung des Maschinenparks

Einer der Hauptgründe für das schnelle Wachstum und den anhaltenden Erfolg der Gruppe war die Entscheidung zur Standardisierung des Maschinenparks. Daher verfügt Watershed mittlerweile über zehn Flexodruckmaschinen der Performance-Serie von Mark Andy: drei in Irland, fünf in Polen und nun auch zwei in Deutschland. Mit Ausnahme der Maschinen in Szczecin, die eine Bahnbreite von 330 mm haben, bieten alle anderen eine Bahnbreite von 430 mm. Gemeinsam ist ihnen jedoch ein sehr hohes Leistungsniveau zur Umsetzung maximaler Produktqualität in Druck und Weiterverarbeitung. Bei Etiko reicht die Tradition der Nutzung von Mark-Andy-Produkten in Zeiten vor der Eingliederung in die Watershed-Gruppe zurück und insgesamt sind aktuell dort acht Maschinen des amerkanischen Herstellers im Einsatz.

Geschäftsführer Claus Schüring erläutert die Beschaffungspolitik von Römer: „Unsere erste P5 war auch meine erste und für mich sehr beeindruckende Erfahrung mit der Technologie von Mark Andy. Diese Maschinen sind schnell und einfach zu rüsten, sie bieten eine hohe Laufgeschwindigkeit und sind vor allem in den Lichterbereichen unseren bisherigen Maschinen weit überlegen. Die erste P5 steigerte unseren Ausstoß um 40% und die zweite wird unsere Kapazität mehr als verdoppeln. Darüber hinaus ereichen wir nunmehr Zeiteinsparungen von etwa 50% bei unseren Aufträgen und konnten gleichzeitig unseren Energieverbrauch spürbar senken.“

Neue Geschäftsmöglichkeiten

Die Maschinen von Mark Andy ­haben der gesamten Watershed-Gruppe die interessante Möglichkeit verschafft, auch bislang dem Offset vorbehaltene Märkte zu ­bedienen. „Es besteht kein Zweifel darüber, dass der moderne HD-­Flexo eine wirtschaftliche Herausforderung für alle anderen Druckverfahren ist. Insbesondere in bestimmten Bereichen wie der Farbbrillanz. Durch die Verfügung über Inline-Weiterverarbeitung wie Siebdruck, Kaltfolienprägung und Laminierung können wir ­Premiumetiketten für alle Marktsegmente liefern. Dies wiederum gibt uns auch die Möglichkeit ­eindeutiger Alleinstellungsmerkmale“, erläutert Liz Waters. Dies steht in Einklang mit der bislang erreichten Standardisierung der Produktionsprozesse innerhalb der Firmengruppe, die mit der Einführung eines verbindlichen Katalogs zur Einhaltung von Best-Practice-Prinzipien erreicht wurde. Dies dient auch der durchgängigen ­Gewährleistung eines maximalen Qualitätsniveaus bei gleichzeitiger Minimierung der Produktions­kosten.

Gruppeninterne Zusammenarbeit

Vor dem Hintergrund identischer Kapazitäten in allen Gruppenunternehmen wurde für Römer Etiketten ein Plan ausgearbeitet, das Geschäftsvolumen durch die Zusammenarbeit mit der Verkaufsorganisation von Etiko zu erhöhen. Nach Angaben von Liz Waters bietet ein derartiges Vorgehen attraktive Vorteile für multinationale Unternehmen und PLCs, da diese sehr auf zusätzliche Deckungskapazitäten mit verlässlichen und konstanten Qualitätsstandards bedacht sind. Dabei ergänzt die schmalere Druckbreite von 330 mm die zwei P5 mit 430 mm bei Römer Etikett. Dies stärkt Liz Waters in der Überzeugung, eine produktionstechnische Flexibilität anzubieten, wie sie in dieser Art sonst nur schwer zu finden ist. “Ich denke es gibt eine optimale Größe für Druck- und Verarbeitungsbetriebe. Man muss groß genug sein für Herausforderungen aber gleichzeitig klein genug, um immer noch persönliche Kundenbeziehungen zu unterhalten. Wir erhalten uns die positiven Charaktereigenschaften eines Familienbetriebs und befinden uns gleichzeitig auf dem technischen und organisatorischen Niveau eines vollindustriell produzierenden Unternehmens.”

Flexibilität durch Synergie

Zu den Vorteilen kleiner Teams und Plattform-gestützter Maschinentechnik gehört die Fähigkeit schneller Entscheidungen. Dies unterstützt nicht nur die Herstellung innovativer Produkte sondern auch die schnelle Einbindung von Gruppenunternehmen zur Nutzung entsprechender Kapazitäten. In vielerlei Hinsicht spiegelt die Unternehmenskultur von Watershed in der Technologie von Mark Andy wieder. Wie sich die Gruppe den Anforderungen der Kunden anpasst, so lässt sich auch die Performance Series anpassen, abändern und aufrüsten, um damit den Veränderungen des Marktes zu entsprechen. So sind beispielsweise die beiden P5 bei Römer Etikett mit Kühlwalzen zur Verarbeitung wärmeempfindlicher Substrate sowie einer Inkjet-Station zur Herstellung von Lotterielosen ausgestattet. Für das schnelle und sichere Wechseln der Stanzwerkzeuge, insbesondere an den 430 mm-Maschinen, verfügten diese über das QCDC-System. Dabei handelt es sich um ein Kassettensystem, das mit Hilfe eines speziellen Wagens den Werkzeugwechsel durch eine Tür im Seitenrahmen ermöglicht. Damit lässt sich nach Angaben von Watershed die Umrüstzeit um bis zu 75% verringern, was ein wichtiger Einzelaspekt im Gesamtziel von Watershed ist, um die Produktionsprozesse maximal zu rationalisieren.

Eine vielversprechende Neuausrichtung

Vor dem Hintergrund weiterer Übernahmeabsichten ist Liz Waters sehr daran gelegen, die Geschäftsbereiche sinnvoll zu gliedern und über Produktionsstätten in ganz Europa zu verfügen. Römer ist hierfür ein Beispiel. Das Unternehmen war seit seiner Gründung sehr aktiv in der Herstellung von Etiketten für Gesundheits- und Hygieneprodukte. Angesichts sinkender Margen in diesen Bereichen und den damit verbundenen unzureichenden Investitionen sank die Wettbewerbsfähigkeit immer mehr ab. Ausgestattet mit den neuen Druckmaschinen von Mark Andy konnte sich das Unternehmen in neue Wertschöpfungsbereiche manövrieren, wo Aspekte wie Geschwindigkeit, Qualität und Differenzierungsvermögen die unverzichtbare Voraussetzung entsprechender Gewinnmaximierung sind.