Der aktuelle Kommentar

Domino und der Wandel im Etikettendruck

25 Jahre Etiketten-Labels, 25 Jahre spannende Innovationen. Dazu gehört auch der UV-Inkjet-Druck. Einer der wesentlichen Anbieter in diesem Bereich ist Domino. Das Unternehmen hat zusammen mit Partnern in den letzten Jahren zahlreiche interessante Lösungen präsentiert. Etiketten-Labels bat Philip Easton, Director – Digital Printing Solutions at Domino Printing Sciences, um einen Kommentar zu seiner Sicht auf die letzten 25 Jahre.

Philip Easton
Philip Easton, Director – Digital Printing Solutions at Domino Printing Sciences (Quelle: Domino)

Es ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Johannes Gutenberg im Jahr 1454 die erste konventionelle Druckpresse erfand, dieses Verfahren, mit dem viele von uns groß geworden sind und das Jahr für Jahr Wachstumsraten verzeichnen konnte, aber erst in den letzten 25 Jahren in Frage gestellt wurde. Bei verschiedenen Anwendungen erleben wir jetzt den Abschied vom konventionellen Druckvorgang. Die Digitaldruck-Technologie bricht in die Domäne des konventionellen Drucks ein und stört somit dessen Weiterentwicklung und Nutzung.

Innovation Digitaldruck

Die größten Auswirkungen dieser digitalen Revolution auf die Druckbranche ergeben sich für Druckmedien, die für Kommunikationszwecke genutzt werden. Vor 25 Jahren wurden für die Massenkommunikation hauptsächlich Medienkanäle wie Fernsehen und Radio und Druckerzeugnisse wie Zeitschriften und Magazine eingesetzt. Zu den Neueinsteigern zählt neben dem Digitaldruck vor allem die digitale elektronische Kommunikation über soziale Medien und das Internet. Die Werbeeinnahmen, die diesen Sektor weitgehend finanzieren, werden jetzt mit den neuen digitalen Medienformaten geteilt, und der Druck scheint sich endgültig im Niedergang zu befinden.

Doch auch das konventionelle Bedrucken von Etiketten (und neuerdings auch von Verpackungen) bekommt die Konkurrenz durch den Digitaldruck zu spüren. Natürlich haben wir auch den Umstieg von Buchdruckmaschinen zu Offset- und Flexodruckmaschinen und jetzt die zunehmende Verwendung des hochauflösenden High Definition-Flexodrucks erlebt. Der HD-Flexodruck konkurriert vor allem aufgrund der verbesserten Repro- und Plattentechnologie um Aufträge, die üblicherweise im Offset-Verfahren gedruckt wurden.

Von wasserbasiert zu UV-Tinte

Auch die Tintentechnologie hat sich gewandelt: Vom Druck mit größtenteils wasserbasierten Tinten – vor allem auf Papieretiketten mit hohem Wartungsaufwand und längeren Rüstzeiten – hin zu UV-aushärtenden Tinten auf einer steigenden Anzahl von Polypropylen- und Polyethylen-Kunststoffetiketten. Die Nutzung von UV-aushärtenden Tinten senkt sowohl beim Anfahren als auch bei Auftragswechseln den Arbeitskräftebedarf und steigert die Betriebseffizienz. Der Druck von UV-aushärtenden Tinten auf Kunststoffetiketten bietet eine längere Haltbarkeit und oftmals bessere Druckergebnisse.

Das Streben nach Effizienzverbesserungen mithilfe des Flexodrucks hat in den letzten fünf Jahren an Dynamik gewonnen: Ein rascher Austausch der Platten dank Sleeve-Technologie, servogesteuerte Registrierung und automatische Registrierungsregelung sind Beispiele dafür, wie die Rüstzeiten, der Materialabfall und die Arbeitszeiten für Auflagen reduziert werden sollen. Diese Entwicklungen zielen darauf ab, die Attraktivität dieser Technologie im Vergleich zu alternativen Digitaldruck-Technologien, bei denen die Kosten eines Rüstvorgangs minimal sind, zu steigern.

Von Stunden zu Minuten

Der Digitaldruck wurde erstmals in den 1990er-Jahren eingesetzt und eine Zeit lang als Nischenanwendung angesehen. Nachdem die ersten digitalen Tonermaschinen aufkamen, wurden jedoch Verbesserungen bei der Produktivität, der Zuverlässigkeit und der Konstanz der Druckergebnisse erzielt. Am meisten machten sich diese Verbesserungen bei den Kosten eines Auftragswechsels oder Rüstvorgangs bemerkbar: Funktionen, die zuvor mehrere Stunden dauern konnten, nahmen nun häufig nicht einmal mehr zehn Minuten in Anspruch. Plötzlich hatten Markeninhaber die Wahl zwischen dem Flexodruck mit hohen Anfangskosten, z. B. für Druckplatten und Rüstzeiten, aber anschließend mit geringen Stückkosten und höheren Druckgeschwindigkeiten und dem Digitaldruck mit fast keinen Auftragswechselkosten und Rüstzeiten, aber dafür höheren Stückkosten (meistens „Click-Charge-Gebühren“) pro Etikett und geringeren Betriebsgeschwindigkeiten. Kurz: Kürzere Rüstzeiten, aber geringere Druckgeschwindigkeiten.

Domino N610i
Blick auf die Domino N610i mit offenem Druckwerk (Quelle: Domino)

Enorme Geschwindigkeitssteigerungen

In den vergangenen fünf Jahren haben wir die Geburt und rasante Entwicklung der digitalen Inkjet-Technologie erlebt. Mehrere Anbieter sind in diesen Markt eingestiegen (unter anderem Domino Printing Sciences), und wir konnten die rasche Weiterentwicklung der Technologie miterleben: Die Druckauflösung hat sich verdoppelt und verdoppelt sich mittlerweile erneut. Die Geschwindigkeiten sind auf 70 m/min angestiegen und liegen somit weit vor der durchschnittlichen Toner-Technologie. Die Inkjet-Technologie nähert sich nun an Geschwindigkeiten an, die in der Regel von konventionellen Druckverfahren erreicht werden, erfordert allerdings keinerlei Rüstzeit. Gleichzeitig wurden die typischerweise mit der digitalen Produktion verbundenen höheren Kosten für Toner/Tinte stetig reduziert. Hinzu kommt die ständige Senkung der Auflagenhöhen, da den Markeninhabern zunehmend bewusst wird, dass es nicht mehr nötig ist, Etiketten für mehrere Monate im Voraus zu kaufen. Insgesamt betrachtet heißt das, dass mehr Produktionen bei Verwendung der digitalen Inkjet-Technologie auch bei den Kosten konkurrenzfähig werden. Mit der Einführung konventioneller/digitaler Hybriddruckmaschinen wie der MPS EF Symjet, innerhalb der Inkjet- und Flexodruck sowie Inline-Finishing kombiniert werden, ist nun eine breitere Palette an Anwendungen möglich, wodurch Aufträge mit speziellen Anforderungen für Sonderfarben und anderen Verzierungen produziert werden können.

MPS EF Symjet
Digitaldruckeinheit eingebaut in die EF Symjet von MPS (Quelle: Michael Scherhag)

Digitaldruck und die Umwelt

Auch umweltpolitische Argumente begünstigen die digitale Produktion immer mehr. Beim Flexodruck entsteht während des Rüstvorgangs Materialabfall. Bei kleinen Auflagen kann es sich dabei um genauso viel Material handeln wie an den Markeninhaber geschickt wird. Aufgrund der hohen Rüstkosten kaufen Kunden jedoch außerdem mehr Etiketten ein, als sie tatsächlich benötigen. Die Etiketten werden immer mit dem Risiko in den Lagerbestand übernommen,  dass sie veralten, ohne jemals für ein Endprodukt verwendet zu werden. Im Gegensatz dazu entsteht beim Digitaldruck häufig nur sehr wenig Materialabfall während des Rüstvorgangs. Aus wirtschaftlicher Sicht ergeben regelmäßige Auflagen Sinn, die die Anforderungen der Kunden dann erfüllen, wenn sie auch tatsächlich Etiketten benötigen. So wird das Risiko von Materialabfall durch die Veraltung von Etiketten reduziert.

Dieses Jahr beschreiben die Nutzer die Inkjet-Technologie als die Zukunft des Etikettendrucks. Sind das die ersten Anzeichen für einen grundlegenden Wandel beim Etikettendruck? Schlussendlich entscheidet darüber der Markt: Erfolgreiche Unternehmen sind offen gegenüber diesen Veränderungen, die anderen werden sie nicht überleben.