Qualität und Schärfe

Flat-Top-Dots im Etikettendruck

Präzise definierte Punktformen öffnen dem Etikettendruck neue Wege. Eskos Full-HD-Flexo-Verfahren basierend auf Flat-Top-Dots bietet eine Vielzahl an Vorteilen bei Qualität und Produktionseffizienz. Die UV-Belichtung der Platte sorgt zudem für Vorteile hinsichtlich Zeitbedarf und Handling.

von Pascal Thomas

 

Inhalt

Digitaler UV-Prozess

Integrierter UV-Prozess

Genaue Druckbeistellung und sorgsames Handling

Ruhiges Laufen der Druckmaschine

Vollflächen mit Mikro-Strukturen

Papierstruktur fast unsichtbar

Flat-Top-Dots und Fixed Color Palette

Synergieeffekte im Etikettendruck

 

Der HD-Flexo-Punkt ist die Grundvoraussetzung für einen sauberen Übergang gegen Null. Dieser Hochlichtpunkt, der schon im Bereich HD-Flexo seinen Erfolg bewiesen hat, wurde für das Full-HD-Flexo-Verfahren – sprich, dem Flat-Top-Dot-Verfahren – angepasst und bringt nun weitere Vorteile mit sich mit. Grund für die Weiterentwicklung war der Wunsch des Marktes, die Vorteile von HD-Flexo im Bereich der Hochlichter mit den Vorteilen von Flat-Top-Dot-Platten im Bereich des Farbliegens zu vereinen.

Full-HD-Flexo liefert dazu noch den einzigen volldigital gesteuerten Workflow zur Flexoplattenherstellung. Das heißt, Full-HD-Flexo ist die Kombination aus der Inline-UV2-Hauptbelichtung im CDI-Belichter mit einer speziell dafür weiterentwickelten HD-Flexo Bebilderungs- und Rastertechnik. Im Vergleich zur abgerundeten Punktform herkömmlich belichteter digitaler Platten bieten Punkte mit präzise definierter Oberfläche wie Flat-Top-Dots alle damit verbundenen Vorteile: Dazu gehört die stark verbesserte Farbdeckung und Farbübertragung durch die Möglichkeit, Vollflächen aufzurastern.

Es kann ein höherer Tonwertumfang durch die Wiedergabe feinster Hochlichtdetails erzielt werden. Durch den geringeren Tonwertunterschied im Druck reagieren Flat-Top-Dots-Punkte unempfindlich auf die jeweilige Druckbeistellung.

Digitaler UV-Prozess

Die UV-Belichtung der Platte erfolgt komplett digital dank der UV-LED-Technologie und sorgt somit für eine Reduzierung der Fehlerquote im Plattenherstellungsprozess. Zusätzlich hat dieser kontrollierte Prozess den Vorteil, dass er weder Wärme noch ein zusätzlich unerwünschtes Nebenlicht mit sich bringt. Das heißt, UV-LED gelten dadurch als die optimale Lichtquelle, um das Photopolymer auszuhärten.

Die digitale Belichtungseinheit Inline UV2 führt die Belichtung mittels einer Vielzahl von UV-LEDs als Lichtquelle aus. Die UV-Strahlung aller LEDs wird in einem optischen System miteinander vermischt, so dass alle Punkte der Flexodruckplatte exakt die gleiche UV-Strahlung erhalten. Die dadurch erzielte Homogenität der UV-Belichtung ist um ein Vielfaches besser als die aller bisher verwendeten UV-Hauptbelichtungssysteme. Dies führt zu einer sehr guten Homogenität der damit produzierten Flexodruckplatten.

Integrierter UV-Prozess

Die UV-Belichtung der Platte findet im CDI-Belichter statt. Dies bringt zwei erhebliche Vorteile mit sich: ein Arbeitsschritt entfällt komplett und eine mögliche Beschädigung der Platte während des Transportes zwischen CtP und Belichter kann nicht mehr auftreten. Wobei der erste Vorteil oft unterschätzt wird: Eine Kombination von Bebilderung und Belichtung in einem Arbeitsschritt hat den Vorzug, dass sich der Operator stattdessen länger mit anderen Tätigkeiten beschäftigen kann.

In der Praxis fällt es auf, dass die CDI-Belichter mit integriertem UV-Prozess in vielen Fällen in unmittelbarer Nähe der Montage-Abteilung aufgestellt werden und sehr oft von den gleichen Mitarbeitern bedient werden. Das heißt, Plattenherstellung und Montage werden so eng wie möglich miteinander verzahnt, um die Arbeitsabläufe möglichst effizient zu gestalten.

Einfluss auf die Druckergebnisse: Das Full-HD-Flexo-System bringt also nicht nur Vorteile für die Plattenherstellung und Plattenqualität, es hat auch einen direkten Einfluss auf das Druckergebnis und die Druckmaschine selbst.

Genaue Druckbeistellung und sorgsames Handling

Bei einem rundem Punkt (der in der Branche auch oft als Round-Top-Dot bezeichnet wird) muss der Drucker die Platten mit relativ großer Vorsicht einfahren und dafür sorgen, dass die Beistellung entsprechend genau eingestuft wird, damit die Hoch- bzw. Spitzlichter nicht zu groß drucken oder sogar beschädigt werden. Bei einem flachen Flat-Top-Dot-Punkt sind diese Punkte wesentlich besser in der Platte versockelt und somit gegen Druck relativ unempfindlich.

Zusammen mit einer hoch auflösenden Optik von 4000 ppi schafft man trotz des flachen Punktes immer noch eine sehr klein druckende Oberfläche. Damit erreicht man in der Prasis sozusagen „das Beste aus zwei Welten“: einen klein druckenden Punkt, der gut versockelt ist.

Die Esko Full-HD-Flexo-Lösung bietet die einzigartige Möglichkeit, durch die geeignete Wahl der UV-Belichtungsparameter eine Flat-Top-Platte mit gezielt „verrundeten“ Hochlichtern herzustellen. Damit können erheblich niedrigere Minimaltonwerte im Druck erreicht werden. Die Hochlichtqualität im Druck ist dabei sogar in vielen Fällen besser als die von Round-Top-Dot-Platten, da die Full-HD-Hochlichter wie erwähnt stabiler versockelt sind und daher weniger Quetscheffekte zeigen.

Ruhiges Laufen der Druckmaschine

Nach den bisherigen Erfahrungen bei Esko hat sich gezeigt, dass der flache Flat-Top-Dot-Punkt weniger empfindlich für Schwingungsstreifen in der Druckmaschine ist. Sicherlich hängen diese stark von der Druckmaschinentechnik und dem Zustand der Druckmaschine ab. Doch viele Rückmeldungen, die aus der Praxis kamen, konnten einen eindeutig „ruhigeren“ Lauf der Druckmaschine bestätigen.

Vollflächen mit Mikro-Strukturen

Ein weiterer Vorteil von Flat-Top-Dots ist die Möglichkeit, eine hochpräzise Feinststrukturierung der Plattenoberfläche einzusetzen (Microcells).Der Flat-Top-Prozess erlaubt es, haarfeine Strukturen in den Vollflächen und in das Raster einzulassen. Sie werden Mikro-Strukturen genannt. Die Strukturen haben nicht nur den Vorteil, mehr Farbe auf das Substrat zu bringen. Sie können darüber hinaus das Liegen der Druckfarbe wesentlich verbessern. Hierdurch entsteht für den Verbraucher ein ruhigeres und sauberes Bild. Die Vorteile fallen vor allem auf größeren Vollflächen deutlich sichtbar ins Gewicht: die Farbe ist satt und springt hervor, zugleich zeigt sie keine kleinen Löcher oder Unebenheiten mehr an.

Gerade auch bei kleineren Grafikelementen, wie sie ja im Etikettendruck sehr häufig vorkommen, bieten diese Eigenschaften unschätzbare Vorteile: Feiner/kleiner Text mit einer Größe von etwa vier Punkt oder Barcodes- und/oder QR-Codes werden wesentlich schärfer abgebildet und zeigen keinerlei Defekte am Rand: Sie fransen nicht aus oder bilden keinen ungewollten Halo-Effekt. Das wirkt sich insofern positiv aus, indem diese Bar- und QR-Codes weniger Fehler beim Scannen an der Kasse im Supermarkt verursachen und der Text auf dem Etikett für den Endkunden besser lesbar ist.

Papierstruktur fast unsichtbar

Bei papierfaserhaltigen Bedruckstoffen helfen die Mikro-Strukturen, die Faser zu unterdrücken und im Bild weniger sichtbar zu machen. „Mottling-Effekt“ nennt man diese ungewollten Flecken- bzw. Wolkenbildung. Beim Einsatz von herkömmlichen runden Punktformen kann man oft ein wolkenähnliches Muster im Bild erkennen. Das hat damit zu tun, dass das Papier nicht an jeder Stelle gleich stark bzw. dick ist. Hier sind schon minimale Höhenunterschiede bei der Papieroberfläche ausschlaggebend.

Durch das Einlassen von Mikro-Strukturen in die Plattenoberfläche erreicht man eine bessere „Federung“ oder eine Art „Schwamm“, die diese Unebenheiten auf der Druckplatte besser ausgleichen. Wichtig ist dabei außerdem, nicht zu übersehen, welchen großen Einfluss Montageklebebänder hier ebenfalls haben können.

Flat-Top-Dots und Fixed Color Palette

Was haben Flat-Top-Dot-Punkte mit der „Fixed Color Palette“, sprich mit dem Drucken eines erweiterten Farbraums mit einem festgelegten Farbsatz zu tun? Ein wesentlicher Vorteil des Druckens mit einem erweiterten Farbraum ist das Vermeiden von Sonderfarben. Die Anwendung eines „Fixed Color Palette“-Verfahrens (wie z. B. Equinox von Esko) bedeutet weniger Waschgänge, keine Farbwechsel, keine Bevorratung teurer Sonderfarben und dafür eine höhere Produktivität ohne Qualitätseinbußen.

In der Praxis des Etikettendrucks sieht es jedoch so aus, dass die Lauflängen der einzelnen Aufträge immer kleiner werden. Somit würde beim herkömmlichen 4C-Prozessfarbendruck mit entsprechenden Sonderfarben die Druckmaschine zum Farb- und Plattenwechsel länger stehen, als sie eigentlich zum Drucken genutzt werden würde. Ein Kunde meinte: „Ich brauche länger, um meine Klischees zu montieren als für den eigentlichen Druck…“.

Selbstverständlich gibt es bereits seit einiger Zeit automatische Klischeemontage-Maschinen. Und auch die Druckmaschine muss so konstruiert sein, dass ein Plattenoder Sleeve-Wechsel innerhalb von wenigen Minuten durchgeführt werden kann. Doch wie sieht es mit der Farbe selbst aus? Wie schnell kann man die Farbe wechseln? Vielleicht sollten sich Etikettendrucker die Frage stellen, ob sie überhaupt die Farbe wechseln müssen?

Da der Farbraum des Standardvierfarbprozesses nur einen bestimmten Teil der Sonderfarben abdeckt, lassen sich mit Zusatzfarben im Prozessfarbendruck wesentlich mehr Sonderfarben exakt wiedergeben. Um einheitliche Farbstandards zu erreichen, bietet Esko mit „Esko Equinox Expanded Color Gamut“ (ECG) eine Lösung zum Druck von Prozessfarben im erweiterten Farbraum. Das Ziel dieser Farbtechnik besteht darin, die Qualität und Anmutung eines Sonderfarbendrucks mit der Verfügbarkeit des Prozessfarbendrucks zu kombinieren.

Sie sollen das Spektrum der reproduzierbaren Farben vergrößern, indem sie die herkömmlichen CMYK-Prozessfarben (Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz) um eine oder mehr Farben, d. h. Orange, Grün, Blau oder Violett, ergänzen.

Synergieeffekte im Etikettendruck

Natürlich ist das Drucken mit mehr als vier Prozessdruckfarben bekannt. Gerade im Etiketten-und Flexodruck hat sich die Qualität so verbessert, dass hinsichtlich des Mehrfarbendrucks im erweiterten Farbraum die technologischen Voraussetzungen gegeben sind. Dazu zählen vor allem die Full-HD-Flexo-Bebilderungstechnik und Inline-UV-Belichtung von Esko, die einen hohen Grad an Stabilität und Farbkonstanz bieten, so dass jede Farbe – und nicht nur Sonderfarben – mit höchster Qualität wiedergegeben werden können. In Kombination mit Equinox ist Full-HD-Flexo speziell auf die Anforderungen des Etiketten- und Verpackungsdrucks zugeschnitten.

Um mit der „Fixed Color Palette“ erfolgreich arbeiten zu können, ist ein durchgängiger, kontrollierter Arbeitsprozess wichtig: Das reicht von der Druckplatte bis zur Farbe, dem Substrat und dem eingesetzten Klebeband für die Plattenmontage.

Wie bereits erwähnt sind Flat-Top-Dot-Punkte weniger empfindlich für die Beistellung. Das heißt, dass was digital in der Druckvorstufe als Farbzusammenstellung berechnet wurde, steht auch 1:1 auf der Platte und kann durch die Beistellung kaum beeinflusst werden. Damit wurde eine erhebliche Fehlerquelle innerhalb des Prozesses eliminiert. Das Drucken mit einem festen Farbsatz ist erreichbarer geworden.

Im Vergleich dazu Round-Top-Dot-Punkte: je nach Beistellung kann der Round-Top-Dot-Punkt bis zu fünfmal größer drucken. Zudem können die Mikro-Strukturen in den Vollflächen einen größeren Farbraum mit sich mitbringen: somit können mehr Sonderfarben in einen festen Farbsatz umgewandelt werden. Und damit schließt sich wieder der Kreis im Bestreben, die beste Lösung im Etikettendruck anzubieten.