Flexo vs. Inkjet: Welche Technologie ist im Vorteil?

Der Digitaldruck wächst und in kurzen Abständen kommen immer wieder neue Lösungen auf den Markt. Ebenso oft wird diskutiert, ob der Flexodruck im Etikettenbereich in Zukunft noch gefragt ist. Vorab: Der Flexodruck wird weiterhin eine Zukunft haben. John Penhallow*, betrachtet die aktuelle Situation und wirft einen Blick in die Zukunft.

FFEI Graphium
Die FFEI Graphium ist ein Etikettendruck-Hybridsystem mit Flexo- und Digitaldruckeinheiten (Quelle: FFEI)

Wie ein lautes Kind in einer öffentlichen Bibliothek, so zieht auch der digitale Etikettendruck große Aufmerksamkeit auf sich. Dabei macht er wertmäßig nur etwa 10 bis 15 Prozent (und auf das Volumen bezogen einen noch geringeren Anteil) der gesamten europäischen Selbstklebeetikettenproduktion aus. Der Flexodruck, derzeit die dominierende Drucktechnologie, fühlt sich besonders durch den Tintenstrahldruck bedroht.

Es gibt viele fragwürdige „Fakten“ in dieser Kontroverse, allerdings sind folgende Punkte unumstritten:

  • Druckgeschwindigkeit: Der Flexodruck erreicht eine Druckgeschwindigkeit von bis zu 230 m/min und ist somit viel schneller als der Tintenstrahldruck. Allerdings wird auch der Tintenstrahldruck von Jahr zu Jahr schneller.
  • Technologie: Flexo ist eine etablierte Drucktechnologie, die ein Drucktechniker verstehen und (oft) reparieren kann. Inkjet ist unter Umständen eine, ihm völlig fremde, „Black Box“.
  • Rüstzeiten: Sie sind für Flexo lang, werden aber immer kürzer. Für den Tintenstrahldruck sind sie minimal.
  • Druckplatten: Die Fertigung von Flexodruckplatten benötigt Zeit und Geld. Beim Inkjetdruck erfolgt die Übertragung direkt vom Computer zur Druckmaschine.
  • Kosten: Flexo ist für große, Tintenstrahl für kleine Auflagen kostengünstiger. Es gibt keine Übereinstimmung darüber, wo genau der Break-even-Punkt liegt. Die meisten Experten schätzen ihn zwischen vier- und achttausend Laufmetern.
EF Symjet Labelexpo
Beispiel für die Kombination Flexo/Inkjet: MPS und Domino auf der Labelexpo (Quelle: John Penhallow)

In einer, 2017 von Domino durchgeführten Kosten-Nutzen-Analyse (s. Etiketten Labels 4/2017), wurde eine Flexodruckmaschine unbenannter Marke mit der Domino N610i Tintenstrahldruckmaschine verglichen. Der Break-even-Punkt in dieser Studie lag knapp über 6000 Laufmetern. Wie vorauszusehen war, erzielte die Flexodruckmaschine eine um 25% höhere Geschwindigkeit, geringere Druckfarben-Kosten (um sage und schreibe 85% billiger als beim Tintenstrahldrucker!) und erforderte weniger Wartung.

Ebenso vorhersehbar hat sich die Inkjet-Druckmaschine bei der Anlauf- und Reinigungszeit sowie im Bereich Druckplatten (Nullkosten für Inkjet) durchgesetzt. Dieser ausgezeichnete und detaillierte Kostenvergleich ist sicherlich maßgebend. Er übergeht jedoch einige der Faktoren, die ein Etikettenverarbeiter berücksichtigen sollte, bevor er sich entscheidet, in welche Technologie er investiert.

Bobst M5
Bobst M5, eine Flexo-Produktionslinie für Etiketten und flexible Verpackungen (Quelle Bobst)

In erster Linie gibt es den kommerziellen Aspekt: ​​Die Inkjet-Technologie ist ideal für kleine Auflagen. Allerdings sollte jeder Etikettenverarbeiter genau abwägen, ob sein Unternehmen genügend kleine Bestellungen einbringen und administrativ bearbeiten kann. Neue Kunden müssen erst gewonnen werden und auch die bestehenden Kunden müssen erst über die Möglichkeit der schnellen Bearbeitung und Auslieferung von kleineren Auflagen informiert werden. Viele kleinere Etikettendrucker haben sich die Finger verbrannt, weil sie gedacht haben: „Wir brauchen nur Kleinmengen mit kurzen Lieferzeiten anzubieten und die Kunden werden uns die Tür einrennen“. Kann sein. Aber ein klassisches (und echtes) Beispiel erzählt von einem Endverbraucher, der mit folgenden Worten das Angebot begrüßte: „Großartig, jetzt möchte ich meine monatlichen Mengen in vier wöchentlichen Lieferungen zum gleichen Preis!“ [5322]

Den vollständigen Artikel finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe 3/2018 der Etiketten-Labels, die Sie auch im Shop zum Download erhalten.

*John Penhallow ist seit mehreren Jahrzehnten in den Bereichen Papier, Verpackung und Etiketten unterwegs. Darüber hinaus war er längere Zeit für die Organisation der Messe Labelexpo Europe in Brüssel, Belgien, zuständig. Heute ist er in Frankreich ansässig und arbeitet als Autor für französische, deutsche und amerikanische Fachzeitschriften der Druckindustrie.